Ärzte Zeitung, 29.04.2013

Anlagen-Kolumne

Ist Goldära wirklich zu Ende?

Nach zwölf Jahren Anstieg wird nun von vielen Seiten das Ende der Goldära prophezeit. Doch Anleger sollten sich die Entwicklung schon ein bisschen genauer anschauen.

Von Jens Ehrhardt

Ist Goldära zu Ende?

Gold und Silber zeigten die stärksten Kursrückgänge seit mehr als 30 Jahren. Die (eventuellen) Verkaufspläne Zyperns, Gold im Wert von 0,33 Milliarden Euro zu veräußern, waren sicher nicht die Ursache.

Hintergrund dürften die einerseits fallenden Inflationsraten (international 2 Prozent nach 4 Prozent in 2011) und die in vielen Ländern bereits fallenden Produzentenpreise (schwacher Absatz, hoher Wettbewerb, hohe Läger) sein. Die Notenbanken drucken zwar so viel Geld wie noch nie, dieses Geld kommt aber nicht in der Wirtschaft an.

Neben Inflation ist das Hauptmotiv für Goldkäufe die zerbrechliche Struktur des internationalen Finanzsystems. Seit aber Draghi Mitte 2012 sagte, dass er genügend Geld drucken würde, um jeden Bankenzusammenbruch in Europa zu verhindern, ist auch die Angst stark zurückgegangen, das eigene Vermögen bei einem Bankenzusammenbruch zu verlieren.

Gold als Ersatzgeld nicht mehr so angesagt

Gold als Ersatzgeld kam also aus der Mode. Ob dieser Zustand wirklich andauert (Pressekommentare gehen im Wesentlichen von einem Ende der Goldära nach 12 Jahren Anstieg aus) ist keineswegs sicher. Die Banken - besonders in Südeuropa - sind keineswegs überall sicher.

Wenn Zypern wirklich ein Modell für Bankenzusammenbrüche in Südeuropa sein sollte, täten Anleger, die mehr als 100.000 Euro bei einer Bank etwa als Festgeld liegen haben, gut daran, sich eine Anlagealternative zu suchen.

Gold wird erst dann wahrscheinlich wieder verstärkt gekauft, wenn den Anlegern klar wird, dass die erwartete Konjunkturnormalisierung ein Trugschluss ist und sichtbar wird, dass die Gelddruckprozesse nicht zurückgenommen, sondern international noch beschleunigt werden müssen, um das labile Bankensystem funktionsfähig zu halten.

Vorsichtige Anleger, die im Gold unterinvestiert sind, können jetzt eine Anfangsposition kaufen. Mittel- und vor allen Dingen längerfristig dürfte es wahrscheinlich keine bessere Anlage als Gold geben. Vorerst sind Aktien guter Unternehmen wahrscheinlich aussichtsreicher.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10911)
Personen
Jens Ehrhardt (278)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Manche Wortwahl irritiert mich sehr"

Gesundheitsminister Spahn wird wegen des TSVG von Ärzten kritisiert. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont er: Es wird mit Falschinformationen Stimmung gemacht. mehr »

Galenus-Gala 2018 – Das sind die Gewinner

Was zeichnet innovative Arzneimittelforschung aus? Vier Medikamente und eine Forschergruppe erhalten den Galenus-von-Pergamon-Preis 2018. Für beispielhaftes soziales Engagement wurde zudem der CharityAward verliehen. mehr »

CharityAward für Zahnarzt im Waschsalon

Mit dem CharityAward zeichnet Springer Medizin Engagement von Menschen aus, die sich ehrenamtlich um hilfsbedürftige Menschen kümmern. Die diesjährigen Preisträger sind nun gekürt worden. mehr »