Ärzte Zeitung, 27.06.2013

Viva!

Mexiko in Aufbruchstimmung

Die Wirtschaft von Mexiko zieht wieder an - das dürfte auch der Börse des mittelamerikanischen Landes neuen Auftrieb geben.

Von Richard Haimann

Mexiko in Aufbruchstimmung

Nicht nur bei Mexikos Mariachi-Künstlern herrscht derzeit eine gute Stimmung.

© lunamarina/ fotolia.com

NEU-ISENBURG. Der brutale Krieg gegen Drogenschmuggel und die schwache Konjunktur in den USA haben in den vergangenen Jahren auf Mexikos Wirtschaft gelastet.

Jetzt sehen Experten das Land wieder auf Wachstumskurs - und die Chance für neue Kurssteigerungen an der Börse.

Sechs Jahre dauert der Krieg in Mexiko zwischen Staat und Drogenkartellen bereits an. Mehr als 70.000 Menschen sind durch Auftragsmorde und Schießereien zwischen der Polizei und den Verbrecherbanden ums Leben gekommen.

Die Welle der Gewalt hat die Wirtschaft im Land massiv beeinträchtigt, ebenso wie die durch die Finanzkrise ausgelöste Rezession in den benachbarten USA, wohin Mexikos Unternehmen 80 Prozent ihrer Exporte schicken.

Autoindustrie ist wieder auferstanden

Doch jetzt deutet sich eine Wende an. "Wichtige Wirtschaftsdaten hellen sich auf", sagt Barclays-Analyst Marco Oviedo. Die Autoproduktion, Rückgrat der mexikanischen Industrie, ist im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,7 Prozent gestiegen.

Das liegt vor allem daran, dass die Konjunktur in den USA wieder anzieht - und amerikanische sowie deutsche Hersteller ihre Produktion in den Fabriken wieder hochfahren. Audi hat gerade eine Produktionsstätte eröffnet, in der jährlich 150.000 Fahrzeuge für den US-Markt gefertigt werden sollen.

Zudem versucht die neue Regierung unter Präsident Enrique Pena Nieto, den Drogenkrieg zu beenden. Diskutiert wird über eine Legalisierung weicher Drogen. Auch der Marihuana-Anbau soll erlaubt werden.

Gleichzeitig ändert die Polizei ihre Strategie und geht jetzt gezielt gegen die Anführer der Kartelle vor. Geplant ist auch eine Gesetzesänderung, um deren Vermögen zu konfiszieren.

Zudem wurden umfangreiche Wirtschaftsreformen auf den Weg gebracht. Ein neues Gesetz ermöglicht es dem Kartellamt, Konzerne zu zerschlagen, die eine marktbeherrschende Position erlangt haben. Damit soll die Dominanz großer Telekom- und Versorgungskonzerne gebrochen werden.

Erst schrumpfen, dann wachsen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kommt in einer neuen Studie zu dem Schluss, dass Mexikos Wirtschaft zwar dieses Jahr noch einmal schrumpfen, 2014 jedoch wieder um 3,7 Prozent wachsen wird.

"Die Inflation wird dieses Jahr auf durchschnittlich 3,4 Prozent und im kommenden Jahr auf 3,2 Prozent zurückgehen", fügen die Analysten hinzu. Dies werde die Kaufkraft und damit den Konsum im Land stärken.

Noch optimistischer fallen andere Prognosen aus. DekaBank-Ökonom Mauro Toldo erwartet in diesem Jahr bereits ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent.

"2014 wird das Plus voraussichtlich 3,9 Prozent betragen", ergänzt der Volkswirt.

Gabriel Casillas, Chefökonom der mexikanischen Bank Banorte, erwartet für das kommende Jahr sogar eine Wachstumsrate von vier Prozent. "Die Konjunkturerholung in den USA wird die Exporte deutlich ansteigen lassen", sagt Casillas.

Sollte der Konflikt zwischen Regierung und Drogenkartellen an Schärfe verlieren, könnte auch die Binnenkonjunktur deutlich zulegen. "Der allgemeine Ausblick ist heute deutlich positiver als noch vor einigen Monaten", sagt der Ökonom.

Viel hängt vom Export ab

Das könnte bald auch der mexikanischen Börse wieder Auftrieb verschaffen. Seit Jahresbeginn ist der wichtigste Index des Landes, der IPC, um mehr als zwölf Prozent gefallen. "Mexiko und seine Börse hängen am Tropf der USA", so Credit Suisse-Ökonom Alonso Cervera. Mit dem Export werde auch der IPC wieder steigen.

Zu den Top-Empfehlungen unter den mexikanischen Aktien zählen die Einzelhandelskette WalMart de Mexico (ISIN MXP810081010), die Multimedia-Gruppe TV Azteca (MX01AZ060013) und der international agierende Baustoffproduzent Cemex (MXP225611567).

Breit gestreut in den mexikanischen Markt investieren können Anleger über die börsengehandelten Indexfonds der Credit Suisse, CS ETF MSCI Mexico (IE00B5WHFQ43) und der Deutschen Bank, DB X-Trackers MSCI Mexico (LU0476289466).

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