Ärzte Zeitung, 17.09.2013
 

Anlagen-Kolumne

Steigende Zinsen sind kein Horrorszenario

Anleger könnten von höheren Kreditzinsen profitieren, auch wenn Staaten darunter ächzen.

Von Jens Ehrhardt

Steigende Zinsen sind kein Horrorszenario

Mit dem vermeintlichen Anfang vom Ende des billigen Geldes in den USA stiegen zuletzt auch die Zinsen deutlicher an (von 1,6 auf 2,8 Prozent).

An den Märkten sorgt das für Nervosität, auch wenn sich die meisten Beobachter darüber einig sind, dass ein gradueller Anstieg bis zu 4 Prozent im aktuellen Umfeld zu verkraften wäre.

Vollkommen überraschend kommt dieser Anstieg nicht, denn nachdem im letzten Quartal 2012 die zweijährigen Zinsen nahe Null lagen, dürfte das Ende eines fast 30 Jahre währenden Bullenmarktes für Anleihen, welcher die Renditen auf Rekordniveaus reduziert hat, gekommen sein.

Situation in Japan brisant

Der Renditeanstieg ist vor allem für die Staaten und die hoch verschuldeten öffentlichen Haushalte ein Problem, die mit steigenden Zinsen einen immer größeren Teil ihrer Steuereinnahmen für Zinszahlungen aufwenden müssen.

Besonders brisant ist die Situation in Japan mit einer Verschuldung von 245 Prozent in Relation zum BIP. Hier wäre ein Anstieg von 4Prozent nicht mehr tragbar.

Unternehmen auf der anderen Seite dürften dagegen deutlich besser damit fertig werden, wie eine Beispielrechnung der Deutschen Bank für die USA veranschaulicht: Die Nettozinszahlungen von S&P-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors beträgt etwa 150 Milliarden US-Dollar, was auf den S&P 500 Index (Stand per 29. August 1640 Punkte) umgerechnet etwa 10 Dollar entspricht.

Auf langfristige Finanzierung umgestellt

Inzwischen haben die meisten Unternehmen auf eine langfristige Finanzierung umgestellt. Jährlich müssten damit zwischen 10-15 Prozent der Schulden refinanziert werden. Nimmt man an, dass die Zinsen um 100 Basispunkte steigen, so würde die Gewinnbelastung gerade einmal -0,25 Dollar betragen.

Würden alle Schulden im nächsten Jahr zu 200 Basispunkten höheren Konditionen refinanziert werden - ein theoretischer Fall -, dann hätte das einen negativen Effekt von 3 US-Dollar auf die Indexgewinne (geschätzter Indexgewinn 2013 von 110 Dollar).

Dadurch würde das geschätzte Index Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2013 von 14,9 auf 15,3 steigen.

Auf der anderen Seite hätten die Unternehmen aber eine höhere Entlastung bei der Bedienung der Pensionsdefizite. Den Berechnungen zufolge würden 100 Basispunkte Zinssteigerung an dieser Stelle einen positiven Effekt von 2 USD haben und somit die Zinsbelastung überkompensieren.

Fazit: Eine Normalisierung der Zinsen hätte auch positive Aspekte, auch wenn sie für die Staaten sehr unangenehm werden dürfte.

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