Ärzte Zeitung, 22.09.2014

Anlagen-Kolumne

Vorsicht bei konstruierten Produkten

Vorsicht bei konstruierten Produkten

Gottfried Urban

Der Wunsch nach einer vernünftigen Verzinsung kann vom Kapitalmarkt nicht mehr ohne Einschränkungen erfüllt werden. Die Finanzindustrie bietet deshalb immer mehr Produkte an, die höhere Zinsen in Abhängigkeit von Aktienentwicklungen zahlen.

Die Produkte werden zum Beispiel mit bis zu drei Prozent pro Jahr beworben, bei voller Kapitalgarantie. Der angegebene Zins wird bezahlt, wenn bestimmte Ereignisse eintreten.

So weit so gut. Doch kürzlich hat die britische Finanzmarktaufsicht gegen den Herausgeber eines solchen Finanzinstrumentes Strafen wegen unlauterer Produktwerbung verhängt.

Denn die Wahrscheinlichkeit, den beworbenen Zins jemals zu erreichen, tendierte gegen Null.

Auch hierzulande machen die extrem niedrigen Zinsen viele Anleger für solche Finanzprodukte mit Wenn-dann-Zins empfänglich. Außer auf die Kosten sollte aber auch immer auf die Eintrittswahrscheinlichkeit für die Mindest- und die Maximalverzinsung geachtet werden.

Wenn man dann lesen darf, dass die Nullverzinsung mit über 60 Prozent Wahrscheinlichkeit eintritt - der Werbezins aber in der Rückbetrachtung so gut wie nie hätte bezahlt werden müssen - kann man auf diese Anlage getrost verzichten.

Ein weiteres Problem: Erträge werden oft als Zins deklariert, sind aber Optionsprämien oder Gewinne aus Finanztermintransaktionen. Der Teil, der für die Spekulation zur Verfügung steht, wird durch die Nullzinspolitik immer geringer.

Die Lösung sind dann immer längere Laufzeiten für solche Garantieanlagen bei eingeschränkter Handelbarkeit.

Viele Finanzinstrumente lassen sich gut verkaufen, wenn im Produktnamen das Wort Zins oder Anleihe enthalten ist.

Doch sind viele solcher Guter-Zins-wenn-dann-Anleihen als gut verpackte Zertifikate zu klassifizieren. Neben dem Emittentenrisiko ist nicht die Zinshöhe, sondern deren Eintrittswahrscheinlichkeit entscheidend.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »