Ärzte Zeitung, 29.09.2014

Dominoeffekt

US-Inflation macht Gold wieder attraktiv

Der Goldpreis fällt seit zwei Jahren kontinuierlich. Dennoch sollten Anleger das Edelmetall nicht abschreiben. Einige Experten erwarten bald die Trendwende hin zu einem Preisanstieg. Ein Grund dafür ist die anziehende Inflation in den USA.

Von Richard Haimann

US-Inflation macht Gold wieder attraktiv

Teures Spielzeug: Gold für den Tresor.

© Gerakl / istock

NEU-ISENBURG. Bislang galt Gold als klassische Krisenwährung. Wenn irgendwo auf der Welt Konflikte eskalierten, schoss der Preis des Münzmetalls in die Höhe.

Nach dieser Regel müsste der Aurum-Kurs jetzt kräftig zulegen: In Irak und Syrien ist die Terrormiliz IS auf dem Vormarsch, die Ukraine-Krise ist noch nicht gelöst und im Ölförderland Libyen herrschen nach wie vor bürgerkriegsähnliche Zustände. Doch der Goldpreis kommt kaum von der Stelle.

Seit dem Höhepunkt der Eurokrise im August 2011 ist der Preis des Edelmetalls von 1882,10 US-Dollar für eine Feinunze (31,1 Gramm) auf nur noch 1202,10 US-Dollar im Dezember vergangenen Jahres gesunken.

Seither schwankt der Kurs in einer Spanne von 1205 bis 1400 US-Dollar. Der Grund: Die Europäische Zentralbank hat 2011 mit dem Kauf von Staatsanleihen die Finanzmärkte beruhigt.

Seither boomen die Börsen. "Die steigenden Aktienkurse bescheren dem Goldpreis heftigen Gegenwind", sagt Ole Hansen, Rohstoffstratege der Saxobank.

Während Aktien Investoren ständige Einnahmen aus Dividenden bescheren, wirft Gold keine laufenden Erträge ab.

Notenbanken decken sich ein

Dennoch ist die Nachfrage nach Gold ungebrochen. "964 Tonnen des Münzmetalls wurden weltweit im zweiten Quartal dieses Jahres erworben", sagt Marcus Grubb, Geschäftsführer des World Gold Councils, der Lobbyorganisation der Goldminenindustrie.

Mehr als 50 Prozent der Käufe hätten Schmuckhersteller getätigt. "Ihr Einkaufsvolumen steigt seit fünf Jahren leicht, aber stetig an", sagt Grubb. Notenbanken haben mit 118 Tonnen sogar 28 Prozent mehr Gold erworben als im Vorjahreszeitraum.

Dass dennoch der Preis des Edelmetalls nicht von der Stelle kam, liege auch daran, dass die Minenbetreiber immer eifriger schürfen. "Das Fördervolumen stieg im zweiten Quartal um weitere 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal", sagt Grubb.

Scott Winship, Fondsmanager der südafrikanischen Investmentgesellschaft Investec, erwartet, dass das Münzmetall bald wieder teurer wird: "Die Zeit, in der Investitionen in Gold zurückgefahren wurden, scheint vorüber."

Hatten 2013 passiv verwaltete börsennotierte Fonds (ETF) noch Mittelabflüsse von 33 Prozent verzeichnet, sei im bisherigen Jahresverlauf kaum noch Geld abgeflossen. Preistreibend dürfte zudem der Anstieg der Teuerung in den USA sein.

Dort ist die Inflationsrate zuletzt auf 2,1 Prozent gestiegen. "Dies dürfte die Nachfrage nach Gold treiben, weil sich das Edelmetall in der Vergangenheit als exzellenter Inflationsschutz erwiesen hat", sagt Winship.

Ähnlich sieht das Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel: "Ende 2015 könnte der Goldpreis merklich höher sein als heute."

Anleger haben mehrere Möglichkeiten, in Gold zu investieren. Für indirekte Anlagen in das Edelmetall sind ETF (börsengehandelte Fonds),, die direkt Gold aufkaufen, die günstigste Lösung. Weil diese Fonds nur passiv verwaltet werden, fallen zwar Lagerkosten, aber kaum Managementgebühren an.

Alternativ bieten sich Aktien von Minengesellschaften an oder auch Fonds, die in diese investieren. Goldman Sachs etwa hat den größten Schürfkonzern Barrick Gold auf seiner Empfehlungsliste.

Nur physisches Gold nützt in Krisen

Investec-Manager Winship erwartet, dass die ebenfalls seit 2011 sinkenden Aktienkurse der Bergwerksgesellschaften bald wieder anziehen, selbst wenn der Goldpreis nur wenig zulegen sollte.

"Die Konzerne haben ihre Kosten gesenkt und unrentable Bergwerke geschlossen, um Gewinne und Dividenden zu erhöhen."

Wer allerdings Gold tatsächlich als Krisenwährung nutzen will, kommt um den Kauf von Münzen nicht herum. Mit Aktien, Fondsanteilen oder Goldbarren könnten in extremen Notsituationen keine Waren gekauft werden.

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