Ärzte Zeitung, 12.06.2015

PKV

Kunden müssen mit Beitragssprüngen rechnen

Nach Bewertung der Rating-Agentur Assekurata stehen deutliche Erhöhung der PKV-Beiträge an. Als Gründe nennen Experten die Zinsflaute und eine höhere Schadenentwicklung.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) müssen alles Erdenkliche tun, um die anstehenden Beitragserhöhungen in der Vollversicherung für die Kunden so weit wie möglich abzufedern.

"Dies gilt insbesondere im Hinblick auf einen kundenorientierten Tarifwechsel", schreibt Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei der Rating-Agentur Assekurata, im aktuellen "Marktausblick zur privaten Krankenversicherung 2015/2016".

Viel hängt nach seiner Einschätzung davon ab, wie die Versicherer ab 2016 mit dem Tarifwechsel-Leitfaden des PKV-Verbands umgehen.

Fairer und transparenter Tarifwechsel

"Eine kundenfreundliche Umsetzung ist die Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit der PKV", sagt Reichl. Er appelliert an die Versicherer, den Tarifwechsel fair und transparent zu gestalten. Das Instrument ermöglicht es den Kunden, die Beiträge zu senken.

Nach einigen Jahren mit im Schnitt eher geringen Prämienerhöhungen stehen nach Einschätzungen von Assekurata und anderen Branchenexperten bald wieder deutlichere Steigerungen an.

Wie bereits kurz berichtet, wird es nicht bei der moderaten Schadenentwicklung bleiben. Stattdessen werden die Ausgaben wieder zulegen. Vor allem aber belastet die Niedrigzinsphase die Unternehmen.

Die meisten Anbieter werden nach Einschätzung von Assekurata den sogenannten Rechnungszins für den Bestand absenken müssen. Das ist die bei der Kalkulation zugrunde gelegte Verzinsung der Kapitalanlagen.

Eine Absenkung des Werts um 0,1 Prozentpunkte entspricht bei Versicherten mittleren Alters einer durchschnittlichen Erhöhung der Prämien um etwa ein Prozent.

Durchschnittlich vier bis fünf Prozent Plus im Jahr

Mit Mitteln aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) können die Versicherer Beitragsanpassungen abfedern oder ganz ausfinanzieren. "Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen", erwartet der Experte. Haben Unternehmen nur eine geringe RfB, drohen Beitragssprünge.

Hohe Prämiensteigerungen können zur Stimmungsmache gegen die PKV genutzt werden, schätzt Reichl. "Die Tatsache, dass es lange kaum Erhöhungen gab, wird dann leicht vergessen." Den Versicherten müsse generell klar sein, dass die Beiträge in der klassischen Vollversicherung - also ohne die Beihilfe - im Schnitt um vier bis fünf Prozent im Jahr steigen, sagt er.

Bei der anhaltenden Wachstumsschwäche im Kerngeschäftsfeld Vollversicherung erwartet er für die nahe Zukunft keine Trendwende. "Die Vollversicherung ist und bleibt das Sorgenkind der Branche." Auch die Zusatzversicherung verliert an Fahrt.

"Ursächlich hierfür ist die Tatsache, dass die einstigen Wachstumsfelder Zahn und Pflege ins Stocken geraten sind." Assekurata geht davon aus, dass sich der Trend abnehmender Zuwachsraten in der Zusatzversicherung 2015 weiter fortsetzen wird. (iss)

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