Ärzte Zeitung, 14.07.2015

Anleger-Tipp

Bundesanleihen werden wieder interessant

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind kürzlich wieder über die Marke von einem Prozent gesprungen. Einige Experten sehen in den Papieren nun wieder eine interessante Anlageform.

Von Richard Haimann

Bundesanleihen werden wieder interessant

Bundesanleihen gelten unter Anlegern weltweit als ausfallsicheres Investment.

© Denis Junker / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Der Trend hat gedreht: In den vergangenen Krisenjahren waren Profiinvestoren mit Macht in Bundesanleihen geflüchtet, weil die Schuldpapiere der deutschen Regierung als ausfallsicheres Investment galten.

Das trieb deren Preise immer weiter in die Höhe. Spiegelbildlich sanken die aus dem festen Zinskupon erzielbaren Renditen ebenso kontinuierlich.

Der Tiefststand war im April dieses Jahres erreicht, als zehnjährige Bundesanleihen so hoch gehandelt wurden, dass ihre Rendite nur noch 0,049 Prozent betrug.

Seither sind jedoch die Kurse der Schuldverschreibungen kräftig gefallen und ihre Renditen wieder deutlich gestiegen. Kürzlich rentierten zehnjährige Bundesanleihen zeitweise wieder mit mehr als einem Prozent.

"Die Rendite zehnjähriger Papiere hat sich in den vergangenen Wochen verzehnfacht", sagt Markus Kaiser, Vorstand des Vermögensverwalters StarCapital in Oberursel.

Das bedeute aber nicht, dass Börsennotierungen deutscher Staatsanleihen nicht noch weiter sinken könnten. "Mittel- bis langfristig ist das Risiko weiter fallender Kurse sehr hoch", so Kaiser.

Schweizer als Trendsetter

Auslöser des Trendwechsels ist die Schweizer Nationalbank. Sie hat dieses Frühjahr den Mindestwechselkurs von 1,20 Franken zum Euro aufgegeben.

Seither drucken die eidgenössischen Währungshüter nicht mehr unbegrenzt Franken, um diese gegen den Euro zu tauschen und in Bundesanleihen anzulegen.

Daraufhin haben große internationale Anlagegesellschaften wie die 4,8 Billionen US-Dollar schwere amerikanische Investmentfirma Blackrock Bundesanleihen abgestoßen, um Gewinne mitzunehmen.

Einige Experten gehen deshalb davon aus, dass der Abverkauf der Papiere weitgehend vorbei sei und die Kurse der Bundesanleihen bei neuen Verwerfungen an den Kapitalmärkten wieder anziehen werden.

"Zehnjährige Bundesanleihen dienen als Anker und sicherer Hafen in Krisenzeiten", sagt Wolfgang Juds, Geschäftsführer des Nürnberger Vermögensverwalters Credo.

"Gerade jetzt, wo über einen Austritt Griechenlands aus dem Euro spekuliert wird, können deutsche Staatspapiere Stabilität ins Depot bringen."

Sollte es zu einer erneuten Flucht in Bundesanleihen kommen, würden Anleger "einige Kursgewinne" einfahren können, sagt Juds.

Jan-Patrick Weuthen, Vermögensverwalter bei der B&K Vermögen in Köln, hält noch aus einem anderen Grund einen erneuten Trendwechsel für möglich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will bis September nächsten Jahres Monat für Monat für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen der Länder der Eurozone aufkaufen, um die Konjunktur anzukurbeln.

"Die konstante Nachfrage der EZB trifft in der zweiten Hälfte dieses Jahres jedoch auf geringe Neuemissionen", sagt Weuthen.

"Kurzfristig kann es deshalb zu einer Gegenbewegung bei den Kursen der Bundesanleihen kommen."

Um sich vor Kursverlusten zu schützen, sollten Anleger über die Börse nur Bundesanleihen erwerben, die unter dem Nominalwert notieren.

Sie werden bei Fälligkeit zum Nominalwert zurückgezahlt. Ein Beispiel dafür bietet die am 15. Februar 2025 fällige Bundesanleihe mit der ISIN DE0001102374, die derzeit mit knapp einem Prozent rentiert.

Sie hat einen Zinskupon von 0,5 Prozent und notiert bei rund 96 Euro.

Risiko beim Ertrag

Bei Fälligkeit werden dem Anleger jedoch 100 Euro pro Stück zurückgezahlt. Der Anleger erzielt damit in jedem Fall einen Gewinn auf sein eingesetztes Kapital.

Sein Risiko besteht dabei in einem unterdurchschnittlichen Ertrag. Denn sollte der Kurs des Papiers künftig fallen, könnte er die Anleihe günstiger erwerben und so über die Laufzeit eine höhere Rendite erzielen.

Alternativ zum Erwerb einzelner Bundesanleihen bieten sich auch Fonds an, die das Kapital der Anleger breit über zahlreiche Papiere streuen.

Burkhard Wagner, Vorstand der Münchner Partners VermögensManagement, rät dabei zu Fonds wie dem Jupiter Dynamic Bond, der weltweit in Schuldverschreibungen von Staaten und Unternehmen investiert.

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