Ärzte Zeitung online, 10.06.2016
 

apoBank

Vier Prozent Dividende beschlossen

Trotz der Niedrigzinsphase bewegt sich die Deutsche Apotheker- und Ärztebank derzeit in ruhigem Fahrwasser. Das zeigte sich auch bei der Vertreterversammlung der Genossenschaftsbank in Düsseldorf.

Von Hauke Gerlof

DÜSSELDORF. Die Dynamik des Gesundheitsmarktes spiegelt sich auch in der Entwicklung der Kreditausreichungen der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) wider: 6,3 Milliarden Euro habe die apoBank 2015 an Kunden vergeben, so viel wie seit zehn Jahren nicht, berichtete der Vorstandsvorsitzende Herbert Pfennig bei der Vertreterversammlung der Genossenschaftsbank am Freitag in Düsseldorf.

Gleichzeitig habe es aufgrund der niedrigen Zinsen weiterhin hohe Tilgungen bei den Bestandskrediten gegeben.

Zum wachsenden Darlehensgeschäft haben laut Pfennig auch die angestellten Heilberufler - seit einigen Jahren ein neuer Schwerpunkt der Bank - beigetragen, außerdem die Firmenkunden.

3500 neue angestellte Heilberufler habe die Bank als Kunden gewonnen, außerdem 5700 neue Studenten, berichtete Pfennig. Insgesamt sei die Kundenzahl um vier Prozent auf fast 400.000 angewachsen.

Gestiegener Jahresüberschuss

Bei gesunkenem Zinsüberschuss, gestiegenen Provisionsüberschüssen und gesunkener Risikovorsorge ist der Jahresüberschuss der apoBank 2015 um 8,3 Prozent auf 59,1 Millionen Euro gestiegen.

Dementsprechend zahlt die Standesbank an ihre fast 108.000 Mitglieder auch für das vergangene Geschäftsjahr wieder eine Dividende von vier Prozent. Das hat die Vertreterversammlung beschlossen.

Diese Dividendenhöhe will die Bank auch in den kommenden Jahren erreichen, trotz eines "Niedrigzinsniveaus, das dank der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank längst zu einem Negativzinsniveau geworden ist", so Herbert Pfennig in Düsseldorf.

Es sei ein "extremer Tabubruch in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die Notenbank Konjunkturpolitik macht". Doch die Geldpolitik könne die Probleme im Euro-Raum nicht lösen.

Verwahrgebühr für Großkunden

Pfennig verteidigte in diesem Zusammenhang die zuletzt teilweise aus KVen kritisierte Entscheidung der apoBank, eine Verwahrgebühr für bestimmte Einlagen von Großkunden wie institutionelle Anleger und Standesorganisationen einzuführen.

Die Bank zahle bei der EZB für die geparkte Liquidität 0,4 Prozent Strafzinsen. Im Sinne der ökonomischen Stabilität müsse die Bank die Negativzinsen weitergeben, nachdem die getroffenen Absicherungsmaßnahmen 2015 ausgelaufen seien, betonte Pfennig.

Nicht nur die niedrigen Zinsen, auch der zunehmende Aufwand für regulatorische Projekte zehrt an den Gewinnen der Bank: Der jährliche Aufwand "kratzt knapp an der zweistelligen Millionen-Grenze", so Pfennig. Für 2016 erwartet Pfennig einen stabilen Jahresüberschuss bei allerdings sinkenden Zuführungen zu den Rücklagen.

Operativ hat sich das Geschäft im ersten Quartal bei Zinsüberschuss (minus 7,5 Prozent) und Provisionsüberschuss aufgrund des schwierigen Börsenumfeldes (minus 12,7 Prozent) rückläufig entwickelt.

Zu einer Herausforderung der kommenden Jahre werde auch die geplante IT-Migration, erläuterte Pfennig. Auch das Kerngeschäft der apoBank sieht der Vorstandsvorsitzende im Wandel.

"Wir können uns nicht davor verschließen, dass sich der Gesundheitsmarkt wandelt und mit einer rasanten Geschwindigkeit hin zu größeren Strukturen entwickelt", betonte Pfennig.

Existenzgründungen für Einzelpraxen und bewährte Kooperationen blieben für die Bank das "Ankergeschäft". Doch ihr Anteil am Gesamtgeschäft werde tendenziell kleiner. "Wir werden uns dem Trend des Marktes nicht entziehen können", resümierte der Vorstandsvorsitzende.

Strategisch setze die Bank neben dem Kerngeschäft weiter auf die Gewinnung von Neukunden unter angestellten Ärzten und Studenten, auf den Ausbau des Geschäfts mit Provisionen, etwa bei der Geldanlage und auf die Stärkung des Firmenkundengeschäfts.

Nach den Ereignissen der vergangenen Jahre und Rücktrittsforderungen aus Reihen der Ärzteschaft ist der ehemalige KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler nach elf Jahren aus dem Aufsichtsrat der apoBank zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde der aktuelle KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Gassen für ein Jahr gewählt.

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