Ärzte Zeitung, 18.07.2016

Anlagen-kolumne

Demografie verspricht Wachstum

Gottfried Urban

Seit mehreren Jahrzehnten sind die Wachstumsraten in den Industrienationen leicht rückläufig. Doch herkömmliche Kennziffern wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind heute längst nicht mehr so aussagekräftig wie vor Jahren. "Erfunden" wurde das BIP in 1920er Jahren, als die Welt geprägt war durch die rasant fortschreitende Industrialisierung. Die Kennziffer BIP addiert sämtliche Waren und Dienstleistungen, die innerhalb der Grenzen eines Landes produziert werden.

Heute hat der industrielle Sektor in den entwickelten Volkswirtschaften an Bedeutung verloren. Der Dienstleistungssektor ist größer geworden, und die Informationstechnologie spielt eine wesentliche Rolle. Der daraus gewonnene Wohlstand wird im BIP nicht abgebildet. Deshalb gibt es den Vorschlag, Wachstum und Wohlstand durch weitere Faktoren zu messen, zum Beispiel: Gesundheit, Freizeit, Zustand der Umwelt und Familienarbeit. Auch wenn die Berechnung solcher zusätzlicher Komponenten schwierig sein wird, das aktuelle BIP unterschätzt das tatsächliche Wachstum, woraus geschlossen werden darf, dass die jetzigen Aktienpreise nicht zu hoch sind.

Zwar haben nicht alle Branchen oder Aktien Wachstumsperspektiven. Doch einer der langfristig stabilsten Trends ist die demografische Entwicklung. In 25 Jahren werden gut 1,5 Milliarden mehr Menschen auf der Welt leben. Das gibt Anlegern Orientierung. In den Industrienationen kann man sich auf marktführende Unternehmen in den Wachstumsbereichen Gesundheit, Hygiene, Freizeit, Umwelt, Ernährung und Luxus konzentrieren. Aktien aus dem Bereich Fahrzeug- und Maschinenbau, Banken oder Versorger sollte man trotz günstiger Kurse nicht zu hoch gewichten. Und vergessen Sie nicht die Schwellenländer. Diese haben - selbst nach dem alten Maßstab Bruttoinlandsprodukt - künftig ein höheres Wachstum als die Industrienationen.

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