Ärzte Zeitung, 05.12.2016
 

Viel Geld in Anleihen?

Dann gibt es Handlungsbedarf!

Dreht der Wind am Zinsmarkt? Ralf Vielhaber von den "Fuchsbriefen" erläutert im Interview, worauf es für Anleger aktuell ankommt.

Dann gibt es Handlungsbedarf!

Turbulente Zeiten für Anleger?

© PictureP. / fotolia.com

Das Interview führte Hauke Gerlof

Ärzte Zeitung:Wie gut schätzen Sie die Beratungsqualität für die Vermögensanlage nach den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung generell ein?

Ralf Vielhaber: In der Summe sahen wir ein enges Spitzenfeld, aber keine Top-Leistung. Die Beratungsqualität im mündlichen Teil ist erfreulich. Der Kunde traf in der Hälfte der Gespräche auf qualifizierte Berater mit Empathie und fachlicher Präzision, in acht Fällen waren die Gespräche sogar sehr gut.

Es wurde nicht nur aufmerksam zugehört, sondern auch verständlich erklärt, und gemeinsam mit dem Kunden wurde bereits jetzt nach Lösungsansätzen für seine Wünsche gesucht. Eher enttäuschend waren hingegen die Leistungen bei den schriftlich ausgearbeiteten Vermögensstrategien. In der Breite gab es hier sehr viel Standardware.

Die Leistungen zu Portfolioqualität, die Quanvest gemessen hat, fielen zufriedenstellend aus. Erfreulich war wiederum, was wir im Prüfsegment Transparenz zu sehen bekamen. Hier geht es um das Produktportfolio, die Gebühren, das zahlenmäßige Verhältnis von Kunden je Berater.

Was sind für Sie im vergangenen Jahr besondere Leistungen in der Vermögensanlage gewesen?

Dann gibt es Handlungsbedarf!

Ralf Vielhaber ist Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer beim Verlag Fuchsbriefe.

© Steffi Loos

Vielhaber: Herausragend war die Vermögensstrategie des Bankhauses Spängler. Der Kunde bekam eine ausführliche und gut aufbereitete Analyse seines Depots. Zudem eine sehr gute Herleitung seines künftigen Portfolios mit nachvollziehbarer Renditeerwartung.

Dazu ein anschaulicher Stresstest, gepaart mit einer Berechnung des Zinsänderungsrisikos. Kurz: ein sehr hohes Maß an Individualität, das schon heraussticht.

Klasse waren auch die Teamleistungen der Berater von Vontobel Europe, DeKaBank Luxemburg, der LGT Österreich sowie der UBS Deutschland. In der Portfolioqualität stach die HypoLandesbank Vorarlberg mit einem tollen Portfolio heraus.

Wo liegen die Hauptprobleme bei den Vermögensverwaltern?

Vielhaber: Im niedrigen Zinsniveau, das die Anlageklasse Anleihen zunehmend unbrauchbar werden lässt und in der Regulierung, die die Anbieter zu Standardisierung bei Produkten und Anlagelösungen zwingt. Der hohe Kostendruck, der auf den Anbietern lastet, befördert noch den Trend zur Standardisierung.

Welche Trends lassen sich in der Beratung der Kunden feststellen – wie entwickeln sich die Wünsche der Kunden? Passt dies zusammen?

Vielhaber: Kunden wünschen sich Individualität in der Beratung – geht es nur um die Kosten, stehen Ihnen ja auch zunehmend Robo-Advisors zur Verfügung. Der Kundenwunsch nach Individualität und der Trend zur Standardisierung in der Vermögensanlage passen nicht zusammen.

Sind Anleger gut bei Vermögensverwaltern aufgehoben, wenn sich der Wind am Anlagemarkt drehen sollte und die Inflation wieder aufkommt? Welche Zinsfallen könnte es geben?

Vielhaber: Das Risiko besteht in einem Kurssturz bei Anleihen. Das kann sowohl Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen treffen.

Gut ist: Die Banken haben durchweg Handlungsbedarf bei dem stark anleihe-lastigen Portfolio des Testkunden gesehen, auch wenn sie das Risiko unterschiedlich akut gewertet haben. Das Gegenmittel ist regelmäßig ein höherer Aktienanteil. Bis zu 95 Prozent Aktien wurden empfohlen.

Die Analysen von Quanvest zeigen aber, dass es selbst unter Zuhilfenahme höherer Aktienanteile nur einem knappen Drittel der Anbieter gelang, das Kundenportfolio sowohl resistent gegen einen Zins-Schock auszurichten und zugleich seine Ziele bei Risiko und Rendite zu treffen.

Ist die Einrichtung von Stiftungen speziell für Ärzte ein Thema? Ab welchen Summen lohnt sich das – und welche Motive können noch dahinter stecken?

Vielhaber: Ja, selbstverständlich ist das ein Thema. Immer dann, wenn höhere Vermögen vorhanden sind, aber kein würdiger Erbe in der Familie da ist, kommen verstärkt Stiftungslösungen zum Zuge. Auch philanthropische Motive, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen, haben Konjunktur.

Steuern sparen ist ein eher untergeordneter Aspekt. Interessant ist die Einrichtung einer eigenen rechtsfähigen Stiftung erst ab einer Million, zielführend wohl erst ab 2,5 Millionen Euro.

Unter einer Million sollte man über eine Zustiftung nachdenken. Es gibt aber auch gerade im Sozialbereich verstärkt die Neigung, andere gemeinnützige Rechtsformen wie die gGmbH zu nutzen, um sowohl unternehmerisch als auch sozial tätig zu werden.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10527)
Organisationen
UBS (46)
Personen
Hauke Gerlof (878)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bariatrische Chirurgie rückt Bluthochdruck zu Leibe

Adipöse Hypertoniker konnten in einer Studie nach bariatrischer Chirurgie ihre antihypertensive Medikation reduzieren. Die Hälfte erreichte sogar eine Remission des Bluthochdrucks. mehr »

Droht uns jetzt eine Staatskrise?

Jamaika gescheitert, politisches Vakuum in Berlin. Am Beispiel der Gesundheitspolitik lässt sich zeigen, warum das noch keine Krise ist. mehr »

Das müssen Ärzte beim Impfen beachten

Allergische Reaktionen sind eine Kontraindikation für eine erneute Anwendung des Impfstoffs. Ist eine weitere Impfung dennoch nötig, sollten Ärzte diese Tipps beherzigen. mehr »