Ärzte Zeitung, 12.12.2016
 

Gold auf dem Gabentisch

Barren, Münze oder Schmuck?

Gold als Geschenk ist beliebt. Denn: Mit dem Edelmetall können bleibende Werte steuerfrei an Kinder und Enkel übertragen werden.

Von Richard Haimann,

Barren, Münze oder Schmuck?

Wer Geld in Gold anlegt, sollte etwa bei Goldbarren auf die richtige Zertifizierung achten.

© AbleStock.com / Thinkstock.com

NEU-ISENBURG. Mit einem Sparbuch unter dem geschmückten Tannenbaum können Eltern und Großeltern an Heiligabend Kinder und Enkel kaum beeindrucken. Zu unpersönlich und abstrakt ist das mit Zahlen bedruckte Heftchen. Deshalb greifen viele zu Gold, wenn sie dem Nachwuchs zum Fest zu einer dauerhaften Wertanlage verhelfen wollen.

Das erscheint vielen als gute Idee. Schließlich ist der Goldpreis über die Jahrhunderte hinweg – wenn auch unter starken Schwankungen – stets gestiegen. "Historisch betrachtet hat sich das Edelmetall stets bewährt", sagt Matthew Michael, Produktmanager Rohstoffe bei Schroder Investment Management in Frankfurt. 1786 kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold 19,5 US-Dollar, heute sind es 1172 US-Dollar – ein Wertzuwachs von 5900 Prozent in 230 Jahren.

Junge Mädchen werden dabei häufig mit Goldschmuck bedacht. Der sieht zwar meist sehr schön aus, eignet sich jedoch nicht als Wertanlage. Denn die handwerkliche Veredelung durch den Goldschmied treibt den Preis deutlich über den Materialwert. Zudem erhebt der Staat auf den Schmuckverkauf die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

Münzen ohne Mehrwertsteuer

Sinnvoller sei es daher, Münzen zu verschenken, die als offizielle Währung anerkannt und deshalb von der Mehrwertsteuer befreit sind, sagt Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Vermögensberatung Dr. Lux & Präuner in München. "Dabei sollten bekannte Münzen wie amerikanische Golden Eagle, südafrikanische Krügerrand, kanadische Maple Leaf oder österreichische Philharmoniker gewählt werden, weil diese sich jederzeit wieder verkaufen lassen."

Allerdings fallen bei den Münzen Prägekosten an. "Diese lassen bei kleinen Stückelungen unter einer halben Unze die Aufpreise gegen den reinen Goldwert schnell ansteigen", sagt Lux. "Deshalb sollten größere Münzen bevorzugt werden, wenn Werterhalt und Wertzuwachs des Geschenkes im Mittelpunkt stehen." Noch besser ist es in diesem Fall, Goldbarren unter den Baum zu legen. Denn bei ihnen fällt kaum ein Aufschlag auf den reinen Wert des Edelmetalls mehr an. Damit eignen sie sich ideal, wenn steuerfrei ein Teil des späteren Erbes an Kinder oder Enkel weitergereicht werden soll. Bis zu 400.000 Euro können schenkungssteuerfrei binnen zehn Jahren an Kinder, bis zu 200.000 Euro an Enkel übergeben werden.

"Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Barren von Goldscheideanstalten stammen, die vom London Bullion Market zertifiziert sind", sagt Lux. "Bei diesen besteht die geringste Gefahr, Fälschungen zu erhalten." Zudem sei der spätere Wiederverkauf sehr viel einfacher, da keine aufwändige Prüfung nötig sei.

Bei 50-Gramm-Barren entspricht der Preis quasi dem Goldwert. Zwar gibt es auch kleinere Solitär-Barren bis hinunter zur Gewichtseinheit von nur einem Gramm. "Doch wie bei kleinen Münzen kostet dies ein Aufgeld", sagt Lux. "Wer kleine Losgrößen schenken will, sollte deshalb zu sogenannten Tafelbarren greifen." Dabei handelt es sich um in einer Form gegossene 50 Ein-Gramm-Barren, die einzeln abgebrochen werden können. "Sie kosten nur wenig mehr als ein 50-Gramm-Barren", sagt der Experte.

Betrugsgefahr reduzieren

Viele Goldhändler in den Fußgängerzonen werben damit, Münzen und Barren zu "Best-Preisen" zu offerieren. "Doch mitunter wird dabei versucht, die Käufer über den Tisch zu ziehen", sagt Rainer Beckmann, Geschäftsführer der Düsseldorfer Anlageberatung Ficon Börsebbius Invest. Das ist leicht möglich, weil Gold in US-Dollar gehandelt wird und sowohl der Preis des Edelmetalls wie auch der Wechselkurs des Euro zur amerikanischen Währung fortwährend schwanken.

"Interessenten sollten deshalb unbedingt mit ihrem Smartphone die Angebote mit dem aktuellen Goldpreis zum gegenwärtigen Euro-Dollar-Wechselkurs vergleichen", rät Beckmann. Bei Käufen über renommierte Internethändler bestehe hingegen kaum Betrugsgefahr, da im Netz sofort die Preise verschiedener Anbieter verglichen werden könnten.

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