Ärzte Zeitung online, 14.03.2017
 

Geldanlage

Rückkehr der Teuerung – So lässt sich Kapital absichern

Die Inflation ist zurück. Sie nagt nun an der Rendite von Anlegern, die auf Festgeld oder Anleihen setzen. Doch mit speziellen Produkten lässt sich das Kapital gegen Kaufkraftverluste schützen.

Von Richard Haimann

NEU-ISENBURG. Die Inflation ist wieder da: Weil der Ölpreis in den vergangenen zwölf Monaten um 40 Prozent gestiegen ist, lagen die Lebenshaltungskosten im Februar in Deutschland durchschnittlich 2,2 Prozent höher als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Bleibt die Teuerung auf diesem Niveau, wird es für Anleger gefährlich: Denn Tages- und Festgeldkonten sowie Staatsanleihen werfen Renditen von weniger als einem Prozent ab. Das bedeutet auf dem gegenwärtigen Inflationsniveau einen Kaufkraftverlust von mehr als einem Prozent pro Jahr – oder mehr als zehn Prozent in zehn Jahren.

Doch Anleger können ihr Kapital vor der Teuerung schützen – mit sogenannten inflationsbesicherten Anleihen, wie sie auch von der Bundesregierung als staatliche Schuldpapiere begeben werden. "Bei inflationsbesicherten Anleihen wird halbjährlich oder jährlich die vorhandene Inflationsrate sowohl in den Zinskupon wie in den Rückzahlungskurs eingepreist", erläutert Gerhard Rosenbauer, Portfoliomanager bei der Münchner Anlagegesellschaft Avana Invest. "Wurde eine solche Anleihe mit einem Zinskupon von zwei Prozent zu einem Rückzahlungskurs von 100 Prozent emittiert und die Inflationsrate beträgt zwei Prozent, so steigt der Rückzahlungskurs um diese zwei Prozent auf 102 Prozent und der Zinskupon auf 2,02 Prozent."

Bundesanleihen kaum profitabel

"Anleger sollten besser inflationsbesicherte Anleihen als gewöhnliche Staatsanleihen wählen", sagt Benjamin Betz, Portfoliomanager bei der Anlagegesellschaft Bayerische Vermögen in Trostberg. Denn gewöhnliche zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit nur eine Rendite von rund 0,3 Prozent ab. "Noch besser ist jedoch der Kauf von inflationsbesicherten Unternehmensanleihen", sagt Betz. Denn Konzerne bieten deutlich höhere Renditen als Staaten mit einem Top-Bonitätsrating wie Deutschland.

"Die Auswahl dieser Papiere sollten Anleger allerdings Profis überlassen", rät Betz zu Fonds, die auf inflationsbesicherte Anleihen spezialisiert sind. Deren Manager könnten die Bonität und die daraus resultierende adäquate Höhe des Zinskupons am besten einschätzen. Beispiele für solche Fonds sind der M&G European Inflation Linked Bond Fund und der Invesco Euro Inflation Linked Bond Fund, die in Anleihen von Staaten und Unternehmen aus der Eurozone investieren.

Global-Fonds wie der Credit Suisse Global Inflation Linked Bond Fund USD und der BGF Global Inflation Linked Bond Fund streuen das Kapital ihrer Kunden sogar weltweit über inflationsbesicherte Schuldpapiere. Allerdings notieren Global-Fonds in US-Dollar. Aufgrund des Wechselkursrisikos lohnen sich diese Investmentvehikel nur für Anleger, die ohnehin einen Teil ihres Kapitals in US-Währung halten. Die Ausgabeaufschläge von bis zu 5,25 Prozent können sich Anleger sparen, in dem sie Fondsanteile direkt an der Börse erwerben. Allerdings schützen inflationsbesicherte Anleihen nur vor den Risiken einer steigenden Teuerung. Hingegen bleiben Anleger mit diesen Papieren außen vor, sollten Unternehmen sich künftig gezwungen sehen, aufgrund einer weiter steigenden Inflation deutlich höhere Zinsen auf neu emittierte Anleihen zahlen zu müssen.

"Risiken nicht ignorieren"

Zwar wurde der jüngste Teuerungsschub vor allem durch die wieder anziehenden Ölpreise ausgelöst und nicht durch eine Inflation auf breiter Front. "Anleger sollten dennoch die Risiken steigender Zinsen nicht ignorieren", sagt Andreas Görler, Investmentstratege bei der Berliner Vermögensberatung Wellinvest.

Schutz davor bieten sogenannte Floater, variabel verzinste Schuldverschreibungen von Unternehmen, deren Rendite immer einige Prozentpunkte über dem EURIBOR liegt. Das ist der Referenzzinssatz, zu dem sich Banken unter einander Geld leihen. Investmentgesellschaften wie die britische M&G Investments oder die Schweizer Fisch Asset Management haben Fonds aufgelegt, die ausschließlich in solche Floaters investieren.

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