Ärzte Zeitung online, 26.06.2017
 

Schicke Schlitten

Oldtimer erfreuen Auge und Anleger-Herz

Die Oldtimer-Preise sind seit 2005 stärker gestiegen als der deutsche Aktienindex Dax. Und nicht nur Edelkarossen verzeichnen kräftige Wertzuwächse. Auch einstige Allerweltsmodelle erweisen sich heute als stabile Geldanlage.

Von Richard Haimann

Oldtimer erfreuen Auge und Anleger-Herz

Wie aus dem Ei gepellte Luxuskarossen früherer Zeiten werden heute hoch gehandelt.

© panoKreativ / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Ein 6er BMW von 1976 macht nicht nur Spaß bei der Wochenendausfahrt über die Landstraßen – er erfreut seinen Besitzer auch beim Blick auf das Vermögensportfolio. Denn der Preis der Coupés aus der Münchner Autoschmiede ist von 2005 bis Ende vergangenen Jahres um 306 Prozent gestiegen, wie der kürzlich veröffentlichte jüngste Oldtimer-Index der Südwestbank zeigt.

Dabei haben sich die Marktwerte der Zweitürer der Baureihe E24 noch vergleichsweise moderat entwickelt. Die Preise früher Porsche 911 ab Baujahr 1964 sind in den vergangenen elf Jahren sogar um 658 Prozent gestiegen.

"Oldtimer bringen nicht nur PS auf die Straße, sondern auch Rendite für das Portfolio", sagt Manfred Mühlheim, Direktor und Bereichsleiter Asset Management bei der Stuttgarter Privatbank.

Tatsächlich haben etliche der alten Flitzer in dieser Zeit sogar den Dax geschlagen. Der deutsche Aktienleitindex stieg von 2005 bis Ende 2016 um 152,42 Prozent. Der Oldtimer-Index, kurz OTX genannt, hingegen legte im selben Zeitraum um 337,98 Prozent zu.

Der Index bildet die Wertentwicklung von 20 bei Sammlern besonders begehrten historischen Modellen süddeutscher Automobilhersteller ab.

Männer lieben altes Blech

Alte Automobile werden stetig beliebter. "Aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus beschäftigten sich immer mehr Anleger mit Investments in Sachwerte", sagt Mühlheim. Oldtimer faszinieren dabei sowohl Männer wie Frauen: Anders als etwa Briefmarken oder Münzen bieten vierräderige Veteranen einen praktischen Nutzen, da sie jederzeit gefahren werden können.

Manche Eigentümer haben ihre Wagen massiv hohlraumversiegelt, um sie das ganze Jahr über selbst bei Schnee und Eis zu bewegen – und dabei Geld zu sparen: Automobile, die 30 Jahre und älter sind und das H-Kennzeichen für "Historische Fahrzeuge" besitzen, werden pauschal mit nur 191 Euro im Jahr besteuert.

Zudem sind sie von der Abgasuntersuchung befreit und dürfen dennoch in sämtliche Umweltzonen fahren – was etlichen fünfzehn Jahre alten Fahrzeugen nicht gestattet ist.

Markantes Design schafft Leidenschaft

Die markanten Formen der Veteranen heben sich wohltuend von dem immer gleichförmiger wirkenden Design moderner Autos ab – ein weiterer Grund, warum altes Blech so beliebt ist.

"Und dann ist da noch der unnachahmliche kernige Klang röhrender acht- oder gar zwölfzylindriger Motoren", sagt Andrew Shirley, Herausgeber des jährlichen Wealth Reports der britischen Maklergesellschaft Knight Frank, der die Wertentwicklung sogenannter alternativer Luxusinvestments misst – von Oldtimern über Briefmarken und Münzen bis hin zu erlesenen Weinen.

"32 Millionen Euro war der offizielle Spitzenpreis, der im vergangenen Jahr für einen Oldtimer gezahlt wurde", so Shirley. So viel Geld legte ein vermögender Privatinvestor bei einer Versteigerung des Pariser Auktionshauses Artcurial für einen Ferrari 335 Sport, Baujahr 1957 hin.

Damit verglichen sind die frühen Porsche 911er günstig: Fahrzeuge in gutem Zustand werden für rund 125.000 Euro gehandelt. Noch billiger zu haben sind betagte 6er BMWs: "Gut erhaltene Fahrzeuge haben aktuell einen Wert von rund 20.000 Euro", sagt Mühlheim. Das teuerste Modell im OTX ist der Mercedes 300 SL der von 1954 bis 1963 produzierten Baureihe W198 mit 1,075 Millionen Euro.

Erschwingliches aus Rüsselsheim

Allerdings verzeichnen nicht nur Edelkarossen aus Maranello, München oder Stuttgart kräftige Wertzuwächse. "Die Preise von Opel Ascona B- und Opel Manta B-Modellen, die von 1975 bis 1988 gebaut wurden, sind in den vergangenen elf Jahren um 202 Prozent gestiegen", weiß Mühlheim.

Mit Durchschnittspreisen von aktuell 5300 Euro für Fahrzeuge in gutem Zustand sind die Rüsselsheimer Oldtimer nicht nur erschwinglich. Sie werden von vielen Liebhabern auch ganzjährig genutzt, weil sie leicht zu warten sind.

Schließlich finden viele Eigentümer alter Wagen Entspannung darin, selbst Hand an ihre Schätze zu legen – was bei modernen Automobilen kaum noch möglich ist.

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