Ärzte Zeitung online, 12.09.2017

Anlagen-Kolumne

Unterschätzte digitale Geschäfte

Von Jens Ehrhardt

In Finanzmedien wird oft über die allseits bekannten, weltweit größten Internetunternehmen diskutiert. Je größer sie werden, desto attraktiver das Geschäftsmodell. Ihren Erfolg verdanken sie nicht primär ihrem erfolgreichen Produkt, sondern dem sogenannten Netzwerkeffekt. Je mehr Nutzer eine digitale Plattform verwenden, desto höher wird der Wert für die jeweiligen Nutzer.

Das gilt für soziale Netzwerke genauso wie für Softwareplattformen, Dating-Apps oder E-Commerce-Handelsplattformen. In solchen "The winner takes it all"-Märkten ist es wichtig, schnell und frühzeitig einen großen Marktanteil zu erlangen.

Je mehr sich Konsumenten an eine Plattform gewöhnen, desto mehr schwindet der Anreiz, diese zu wechseln. Das schafft hohe Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer.

Skalierbarkeit wichtig

Der unabhängige Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

Darüber hinaus verfügen erfolgreich etablierte digitale Plattformen über skalierbare Geschäftsmodelle. Sie ähneln einer Steuer, da man an jeder Transaktion verdient, ohne dass nennenswerte zusätzliche Kosten entstehen, was starkes und nicht kapitalintensives Wachstum ermöglicht.

Aus diesem Grund waren viele der besten Aktien der letzten zehn Jahre der Kategorie digitaler Plattformen zuzuordnen. Um eine Plattform am Markt zu etablieren, sind zu Beginn allerdings viel Finanzkraft, Ausdauer, ein sehr gutes Produkt und auch etwas Glück erforderlich.

Firmen, die mit einem herkömmlichen "Pipeline"-Modell – vorne kommen Rohstoffe und Arbeit rein und hinten kommt ein Produkt heraus – gegen eine digitale Plattform antreten, ziehen fast ausnahmslos den Kürzeren.

Die Deutschen sind traditionell eher Produzenten als Händler: Sie entwickeln gute Produkte, vernachlässigen aber oft Marketing, Verkauf und Handel. Das kann dann in der digitalen Plattformwelt problematisch werden – mit Auswirkungen auf Börsenkurse und Wirtschaftsentwicklung.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10875)
Personen
Jens Ehrhardt (277)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »