Ärzte Zeitung online, 18.09.2017
 

Anlagenkolumne

Anleger vom CAR-T-Fieber ergriffen

Von Hanno Kühn

Vielleicht ist Leukämie bald heilbar: Mit der CAR-T-Zelltherapie kristallisiert sich ein vielversprechender Behandlungsansatz in der Immunonkologie heraus. Pionier bei diesem Behandlungsansatz ist Novartis.

Die Expertenkommission der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA hat der Leukämie-Behandlung mit CTL019, dem Präparat des Pharmaunternehmens, ein positives Votum erteilt – einstimmig. Überzeugt hatte die Kommission der Therapieerfolg von CTL019: Bei 90 % der behandelten Kinder, die an der therapieresistenten akuten lymphatischen Leukämie erkrankt waren, hat sich der Tumor zurückgebildet – ein fantastisches Ergebnis. Und nun hat die FDA die Zulassung erteilt.

Novartis bekommt jedoch kurzfristig Konkurrenz: Gilead Sciences kauft für fast 12 Mrd. USD den CAR-T-Spezialisten Kite Pharma. Ende November könnte Kite Pharma die Zulassung für seine Axicabtagen-Ciloleucel-Therapie (axi-cel) bei der Indikation refraktäres aggressives Non-Hodgkin-Lymphom erhalten. Damit kämen in kurzer Zeit zwei personalisierte Gen-Therapien in den USA auf den Markt.

Der Einstieg von Gilead Sciences ist insofern interessant, als der HIV-Spezialist bereits 2011 mit dem Kauf von Pharmasset sein Gespür für zukunftsträchtige Akquisitionen bewiesen hatte. Aus dieser Übernahme entwickelte sich die berühmte 1000-USD-Pille gegen Hepatitis C. Könnte mit der Übernahme von Kite Pharma der Durchbruch für die personalisierte Gen-Therapie stattgefunden haben?

Die Antwort auf diese Frage steht noch aus, aber ein Zeichen ist gesetzt. Die Aktien der direkten Mitbewerber haben bereits von der Kite-Akquisition profitiert. Investoren sollten einen Blick auf diese Anbieter und ihre Pipelines haben – es könnte noch zusätzliches Potenzial in den Aktienkursen stecken.

Dr. Hanno Kühn ist Chief Investment Officer der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

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