Ärzte Zeitung online, 17.10.2017
 

Geldanlage

Bankaktien versprechen Anlegern wieder Perspektive

Amerikas Geldhäuser fahren wieder hohe Gewinne ein – europäische Institute könnten bald nachziehen, orakeln Analysten und wittern bei Banken Chancen auf Rendite.

Von Richard Haimann

Bankaktien versprechen Anlegern wieder Perspektive

Banken als sichere Bank als Anleger? Noch ist bei vielen Häusern in der EU Abwarten angesagt.

© Matthias Buehner / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Warren Buffett hat wieder einmal den richtigen Riecher gehabt: Die US-Investmentlegende gab 2011 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise der damals angeschlagenen Bank of America einen Kredit über fünf Milliarden US-Dollar und erhielt als Gegenleistung ein Paket von 700 Millionen Vorzugsaktien. Jetzt, an seinem 87. Geburtstag, tauschte Buffett die Papiere ein – und kassierte dafür 11,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 130 Prozent.

Der Deal zeigt, wie stark die Aktienkurse von US-Banken gestiegen sind, seit die Vereinigten Staaten die Folgen der Finanzkrise abgeschüttelt und die US-Notenbank die Leitzinsen in bislang drei Schritten wieder angehoben haben. Verdient daran hat Buffett auch mit Papieren des Geldhauses Wells Fargo. Seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hat in der Krise zehn Prozent der Anteile der drittgrößten Bank der USA aufgekauft – und ist mit diesem Investment ebenfalls nicht schlecht gefahren. In den vergangenen fünf Jahren legten die Aktien von Wells Fargo um immerhin 55 Prozent zu.

Die Börsennotierungen europäischer Finanzwerte hingegen sind immer noch tief im Minus. Die Aktie der Deutsche Bank hat in den vergangenen fünf Jahren nochmals 50 Prozent verloren. Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre beträgt das Minus sogar 80 Prozent. Das Papier der Commerzbank notiert sogar mehr als 90 Prozent unter seinem Stand von 2007. Auch die Börsennotierungen zahlreicher französischer, italienischer und spanischer Banken sind tief im Minus.

Stellschraube Leitzins

Doch die Aktien europäischer Geldhäuser könnten bald wieder deutlich steigen und Anlegern dann ähnlich massive Gewinne bescheren, wie dies die Papiere von US-Banken getan haben, meinen einige Experten. Denn auch die Europäische Zentralbank macht sich langsam daran, ihre massiven Interventionen zur Drückung der Zinsen an den Kapitalmärkten zu beenden, und dürfte anschließend ebenfalls die Leitzinsen wieder anheben. Dann würden auch die Banken diesseits des Atlantiks wieder kräftiger verdienen.

Zuletzt haben Analysten der britischen Investmentbank HSBC und der Schweizer Großbank Credit Suisse die Aktien der Deutsche Bank von "Untergewichten" auf "Neutral" heraufgestuft. Zwar sei Deutschlands größtes Geldhaus bei weitem nicht so profitabel wie US-Banken. "Die eingetrübten Gewinnaussichten sollten aber im gegenwärtigen Aktienkurs eingepreist sein", meint Credit-Suisse-Analyst Jon Peace. Zudem bekräftige Tamin bin Hamad Al-Thani, Oberhaupt des Emirats Katar, gerade, das Scheichtum werde an seinem Anteil von 6,1 Prozent an der Bank festhalten.

Nicht nur die Aussicht auf ein Ende der Nullzinsphase spreche für Banktitel, meint Uwe Eilers, Vorstand der Geneon Vermögensverwaltung in Königstein im Taunus. "In den meisten europäischen Banken wurde in den vergangenen Jahren das Topmanagement komplett ausgetauscht." Die neuen Führungskräfte hätten seither die Bilanzen massiv um alle Verluste ihrer Vorgänger bereinigt. "Oft wurde dabei wesentlich mehr abgeschrieben, als eigentlich nötig war", sagt Eilers. In den kommenden Jahren könnten die Geldhäuser daher deutlich bessere Zahlen vorlegen als erwartet.

17 Milliarden Euro Stütze

Auch die italienischen und spanischen Banken seien dabei, die Folgen der Finanzkrise langsam abzuschütteln, sagt Eilers. "Nicht überlebensfähige Institute werden geschlossen oder von bereits wieder erfolgreich arbeitenden Mitbewerbern übernommen." Obendrein stellte Italiens Regierung diesen Sommer 17 Milliarden Euro bereit, um den Bankensektor des Landes zu stützen.

Anleger, die an eine breite Erholung europäischer Bankenaktien glauben, können über iShares Eurostoxx Banks 30-15 in den breiten europäischen Bankenindex investieren. Weil der Indexfonds das Bankenbarometer passiv nachbildet und Anteile nur über die Börse zu beziehen sind, beträgt die Verwaltungsgebühr nur 0,5 Prozent pro Jahr, und es fällt kein Ausgabeaufschlag an.

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