Ärzte Zeitung online, 04.12.2017
 

Anlagen-Kolumne

Kryptogeld eher für Zocker geeignet

Von Gottfried Urban

Kryptowährungen sind die neuen Stars der Spekulanten. Weit über 1000 dieser Internetwährungen soll es geben. Die bekannteste Einheit ist der Bitcoin. Es handelt sich um eine virtuelle, digitalisierte Geldeinheit in Form eines errechneten einmaligen Zahlen- und Buchstaben-Codes. Bei den Bitcons ist die Menge auf 21 Millionen Stück begrenzt. Aktuell sind etwa 17 Millionen Bitcoins im virtuellen Geldbeutel der Internetnutzer. Das Kassenbuch ist wie ein Grundbuch und öffentlich im Internet einsehbar.

Der Kursanstieg gleicht allerdings einer extremen Preisblase. Anfang 2011 bezahlte man für einen Bitcoin 0,30 US-Dollar. Heute sind es mehr als 8000 US-Dollar. Tageshoch und Tagestief liegen oft mehrere Prozentpunkte auseinander. Ideal für den Zocker. Das kann noch viele hundert Prozent nach oben gehen. Doch: Was stark steigt, kann auch stark fallen.

Können Kryptowährungen zu Geld werden? Damit Geld als allgemeines Zahlungsmittel akzeptiert wird, muss es bestimmte Eigenschaften haben. Es muss knapp sein, ein Wertaufbewahrungsmittel und allgemein als Tauschmittel wertgeschätzt sein. In erster Linie denkt man da als erstes an Goldmünzen, die die Anforderungen gut erfüllen. Damit Papiergeld und Kontoguthaben akzeptiert wird, vertraut man den Notenbanken und auch Politikern, die für Geldwertstabilität zu sorgen haben.

Die Meinungen über die neuen virtuellen Währungen gehen auseinander. Manche sehen es als Vorteil, dass sie dem Zugriff von nationalen Staaten oder Notenbanken entzogen sind. Für die Bundesbank sind Kryptowährungen reine Spekulationsobjekte. Die Chefin des IWF könnte sich eine neue virtuelle Währung neben den alten Währungseinheiten unter bestimmten Bedingungen vorstellen. Solange die Schwankungen so extrem sind, hätte ich kein Vertrauen in diese vielen neuen Weltwährungen. Gold als Geldersatz fühlt sich immer noch besser an. Auch hochliquide Aktien von großen marktführenden Konzernen sind ein gutes Wertaufbewahrungsmittel, jederzeit handelbar und weniger schwankend als die neuen Reagenzglaswährungen.

Der Fondsmanager Gottfried Urban der Bayerische Vermögen AG ist mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

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