Ärzte Zeitung online, 29.01.2018

Anlagen-Kolumne

Die Börse auf dem Weg zum Jahr 1999

Von Gottfried Urban

Die US-Börseneuphorie hat den höchsten Stand seit 1987 erreicht. Der Dax ist ebenfalls im Rekordmodus. Wie lange hält die Begeisterung an und wie weit kann das Billiggeld die Preise nach oben treiben?

Aktienmärkte können am Ende eines Aufwärtszyklus nochmals stark steigen. In den letzten 100 Jahren US-Börsengeschichte sind die Aktienkurse nach ganz großen Krisen innerhalb von etwa zehn Jahren immer um über 400 Prozent gestiegen. Vom Markttief in 2009 sind etwa 300 Prozent geschafft (S&P 500 Index). Also wären bis zum Ende des Jahrzehnts noch 35 Prozent nach oben möglich.

Beruhigend ist, dass dubiose Neuemissionen am Aktienmarkt eher die Ausnahme bleiben und die etablierten Technologieunternehmen aufgrund ihrer Dominanz eine sehr hohe Ertragskraft haben von der sie 2000 nur träumen konnten.

Der Fondsmanager Gottfried Urban der Bayerische Vermögen AG ist mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

Anders als noch vor 20 Jahren versuchen Firmen frühzeitig eine dominante Marktposition anzustreben. Dazu sind sehr hohe Investitionen erforderlich, deren Dimensionen die aus der Vergangenheit sprengen. Firmen wie Tesla verbrennen jedes Jahr Milliarden. Die unternehmerische Vision auf die Nummer 1 im Markt reicht, um Geld zu bekommen.

Viele Visionen werden Anleger enttäuschen. Nur die Dimensionen haben sich gegenüber früher geändert. Das ist aber noch kein Zeichen für irrationalen Überschwang. Erst wenn der Normalsparer gierig wird und in die neuen Visionäre investieren will, ist die Blase da. Dies gab es 1999, so weit sind wir heute noch nicht.

Die Übertreibung wird kommen und die Kursrückschläge werden schmerzhaft, Zeitpunkt und Auslöser sind nicht bekannt. Europa ist vom Zyklus einige Jahre hinter den USA und für Investments noch gut geeignet, das gilt auch für Asien, denn die Zukunft des Kapitalismus liegt wahrscheinlich in Asien.

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