Ärzte Zeitung online, 07.04.2018

Anlage

Börsenturbulenzen lassen Betongold glänzen

Trotz hoher Preise sind Wohnimmobilien bei Anlegern weiterhin gefragt. Experten raten allerdings zu einer langfristigen Finanzierung, um eventuellem Zinsanstieg vorzubeugen.

Von Richard Haimann

Börsenturbulenzenlassen Betongold glänzen

Wer Geld in Immobilien anzulegen gedenkt, sollte mehr denn je auf lukrative Lagen achten.

© yankushev / Stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Seit zwei Monaten geht es an den Börsen wieder abwärts. Der deutsche Aktienleitindex Dax hat seither in der Spitze mehr als 13 Prozent verloren.

Da überrascht es nicht, dass vermögende Anleger wieder verstärkt überlegen, Wohnimmobilien als Kapitalanlage zu erwerben.

"Vermietete Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäuser stellen für viele Investoren eine solide Kapitalanlage dar", sagt Ralph Kinnart, Investmentexperte bei der Kölner Anlageberatungsgesellschaft B&K Vermögen.

Allerdings sind die Immobilienpreise seit 2010 massiv gestiegen, weil die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für billige Hypothekenkredite sorgt.

"Viele Eigennutzer und Kapitalanleger haben die günstigen Finanzierungskonditionen genutzt, um Wohnungen und Mehrfamilienhäuser zu erwerben", weiß Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum. "Das hat die Immobilienpreise insbesondere in den Großstädten kräftig in die Höhe getrieben."

Immobilienblase?

Die Bundesbank warnt daher seit 2016 vor einer Blase am Immobilienmarkt. Skeptisch ist auch Harald Simons, Vorstand der Forschungsgesellschaft Emipirica. Das inzwischen erreichte Niveau sei nicht mehr nachhaltig. "In den nächsten vier Jahren könnte es einen Rückgang der Kaufpreise um 25 bis 30 Prozent geben", sagt Simons.

Auch Uwe Eilers, Geschäftsführer der FV Frankfurter Vermögen, rät von Immobilieninvestments ab. Die starken Preisanstiege hätten zu einem Bauboom geführt. "Gerade werden ganze Stadtteile neu aus dem Boden gestampft und weitere sind in Planung", so Eilers. Das dürfte bald zu Leerständen und sinkenden Mieten führen.

Zu einer ganz anderen Einschätzung kommt die stark im Immobilienfinanzierungsgeschäft tätige Postbank in einer neuen Studie.

"In mehr als der Hälfte der 401 deutschen Kreise und Städte können Haus- und Wohnungsbesitzer davon ausgehen, dass ihre Immobilie bis mindestens 2030 an Wert zulegen wird", meint Eva Grunwald, Bereichsleiterin Immobiliengeschäft Privatkunden bei der Deutsche-Bank-Tochter. "Für den Preisauftrieb bei Immobilien sorgt weiter die anhaltende Niedrigzinsphase."

Differenzierter beurteilen Vermögensberater die Situation. "Steigen die Zinsen deutlich, werden überteuerte Objekte für Erwerber, die ihre Käufe mit Krediten tätigen, deutlich uninteressanter", sagt Kinnart. Bislang wolle die EZB die Leitzinsen jedoch nicht anheben.

Da Wohnungen weiter bei Anlegern gefragt seien und Staatsanleihen mit ihren geringen Renditen keine Alternative böten, "wird es nicht zu einer maßgeblichen Preiskorrektur bei Immobilien kommen", so Kinnart.

Auch Stephan Witt, Kapitalmarktstratege der Berliner Vermögensverwaltung Finum Private Finance, sieht "keine handfesten Gründe" für eine Trendwende an den Immobilienmärkten: "Es gibt weiterhin ausreichend Nachfrage."

Steigen allerdings die Zinsen in den kommenden Jahren, würden sich die Anschlussfinanzierungen der heute aufgenommenen Hypothekenkredite verteuern. Witt: "Eigentümer sollten also vorsichtig agieren".

Mieter suchen Wohnraum

Dieser Ansicht ist auch Immobilienökonom Vornholz. "Wer jetzt eine Immobilie erwirbt, sollte damit kalkulieren, dass die Zinsen bei der Refinanzierung höher seien werden als heute."

Deshalb sollten Kapitalanleger ihren Immobilienkauf langfristig über einen Kredit mit 20-jähriger Laufzeit zu heutigen Zinskonditionen finanzieren. Wählen sie dann noch eine anfängliche Tilgungsrate von mindestens drei Prozent, seien bis zur Refinanzierung im Jahr 2038 mehr als 70 Prozent der Kreditsumme abgetragen.

Um sich vor möglichen Wertverlusten zu schützen, sollten Anleger Immobilien in guten Lagen von Städten mit wachsenden Einwohnerzahlen erwerben, sagt Vornholz. "Solche Wohnungen werden bei Mietern und Käufern immer gefragt sein."

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