Ärzte Zeitung online, 17.08.2018

Reedereien / Kreuzfahrten

Volle Pötte bescheren Aktionären Champagnerlaune

Kreuzfahrten boomen weltweit – das treibt die Aktienkurse der börsennotierten Reedereien. Ein Ende ist vorerst nicht absehbar: Viele Kreuzfahrer sind zwischen 20 und 50 Jahre alt.

Von Richard Haimann

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Sonne, Spaß und Schwimmen: Kreuzfahrten sind für immer mehr Urlauber eine Option.

©bildagentur-online.com / dpa

NEU-ISENBURG. Der Ertragsunterschied ist beträchtlich: Um knapp 47 Prozent hat der deutsche Aktienleitindex Dax in den vergangenen fünf Jahren zugelegt. 63 Prozent beträgt hingegen das Plus beim Kreuzfahrtunternehmen Norwegian Cruise Line, 88 Prozent sind es beim britischen Mitbewerber Carnival und sogar 250 Prozent beim US-Ferienseefahrtsanbieter Royal Caribbean Cruises. Was die Aktienkurse der Branchenunternehmen so stark in die Höhe katapultiert hat: Der Markt boomt.

Kreuzfahrten – das war einst ein Urlaub für Senioren. Erst im fortgeschrittenen Alter waren Menschen bereit, geruhsam mit einem großen Schiff von Hafen zu Hafen zu schippern, um gemächlich die Ferne zu erkunden. Doch das hat sich im vergangenen Jahrzehnt massiv geändert. Immer mehr junge Menschen verbringen einen Teil ihrer Ferienzeit auf hoher See. Fast 40 Prozent aller Kreuzfahrer sind heute nach einer Studie des Branchenverbands Cruise Lines International Association (CLIA) zwischen 20 und 50 Jahre jung.

Drei Millionen Chinesen an Bord

Die jüngeren Kunden haben der Branche beträchtliches Neugeschäft beschert. Seit 2008 ist die Zahl der Hochseeurlauber um mehr als 60 Prozent auf bislang 28 Millionen Urlauber in diesem Jahr gestiegen, vermeldet die CLIA in ihrem jüngsten Marktbericht. In den kommenden Jahren soll der Boom weiter anhalten. Allein die Zahl der Kreuzfahrturlauber aus China soll bis 2020 von aktuell 2,175 Millionen auf rund drei Millionen Menschen steigen.

"Das anhaltend stabile Wachstum und die Aussicht auf die Erschließung neuer Märkte in China und anderen Teilen Asiens sprechen für ein Investment in Kreuzfahrtaktien", verdeutlicht Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München.

Dafür spreche auch, dass die drei großen börsennotierten Reedereien eifrig daran arbeiteten, noch mehr junge Menschen als Kunden zu gewinnen. "Auf den riesigen zum Teil deutlich mehr als 300 Meter langen Schiffen sind zweistöckige Gokartbahnen, Kletterhallen und Eislaufarenen keine Seltenheit mehr", sagt Roestel.

Für Anleger, die auch eine attraktive Dividendenrendite suchen, ist die Aktie von Carnival Cruises, auch Muttergesellschaft des deutschen Marktführers Aida Cruises, besonders interessant. Die Dividendenrendite beträgt aktuell rund 3,2 Prozent. Hingegen sind es beim weltgrößten Kreuzfahrtanbieter Royal Caribbean mit einer Marktkapitalisierung von fast 21 Milliarden Euro nur 2,1 Prozent. Schlusslicht ist Norwegian Cruise Line mit nur 0,3 Prozent.

Allerdings weist die 1966 vom norwegischen Reeder Knut Klosters gegründete Gesellschaft die höchste Wachstumsrate auf. Im jüngsten Quartal verdiente das Unternehmen 1,38 Euro pro Aktie – und schlug damit deutlich die Erwartungen von 1,16 Euro pro Aktie. Analysten der Deutschen Bank haben deshalb die Aktie mit Kaufen eingestuft und erwarten einen Kursanstieg von mehr als 25 Prozent in den kommenden zwölf Monaten. Ihre Kollegen vom US-Investmenthaus Nicolas Stifel sehen sogar ein Kurspotenzial mehr als 35 Prozent über denselben Zeitraum und raten ebenfalls zum Kauf des Papiers. Auch die Aktien der beiden börsennotierten Mitbewerber sind von den meisten Analysten mit Kaufen oder Aufstocken eingestuft.

Lässt Handelskrieg Träume platzen?

Zu den wenigen Skeptikern zählt der unabhängige New Yorker Investmentberater Larry McDonald, der sich in der Finanzkrise einen Namen gemacht hat, weil er frühzeitig auf ein Platzen verbriefter US-Hypotheken setzte und damit Millionengewinne einfuhr. Er geht davon aus, dass die von US-Präsident Donald Trump entfachten Handelskriege gegen Europa und China in einer Rezession münden könnten. "Dies würde weltweit agierenden Gesellschaften wie den drei Kreuzfahrtanbietern herbe Verluste bescheren und ihre Aktienkurse unter Druck bringen", sagt McDonald.

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