Ärzte Zeitung online, 08.07.2019

Wohlstand

Das Geschäft mit dem Müll verspricht eine saubere Rendite

Weltweit wachsen die Müllberge. Das beschert Abfallentsorgungern stetig wachsende Einnahmen und Gewinne – und treibt deren Börsenkurse in die Höhe.

Von Richard Haimann

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Aus Anlegerperspektive ist die „Herausforderung Müll“ durchaus willkommen.

© Wolfgang Moucha / picture-alliance

NEU-ISENBURG. Der wachsende Wohlstand verdreckt die Welt: Rund um den Globus landen stündlich 675 Tonnen Müll in den Ozeanen, hat die Meeresschutzorganisation Oceana errechnet. Der Großteil davon ist Plastik, das nicht verrottet, sondern in immer winzigere Teilchen zerfällt.

„Die kleinen Partikel ziehen dabei im Meerwasser gelöste Umweltgifte wie das Insektizid DDT oder polychlorierte Biphenyle wie ein Magnet an“, sagt Kim Cornelius Detloff, Teamleiter Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Erst mit den Mikroplastikresten werden die Gifte von Fischen gefressen und gelangen am Ende der Nahrungskette auch in die Mägen der Menschen.

Müll zu sammeln, zu recyceln oder fachgerecht zu entsorgen, gilt als eine der drängendsten Aufgaben der Menschheit. Das macht Aktien von Abfallentsorgungsunternehmen zu einem interessanten Investment für langfristig orientierte Anleger. Denn weltweit verbessern immer mehr Staaten die Müllentsorgung, was den großen Branchenunternehmen immer mehr Aufträge und damit Umsätze und Erträge beschert – und deren Aktienkurse in die Höhe treibt. Bestes Beispiel dafür ist Waste Management.

Das Unternehmen aus Houston, Texas, übernimmt die Müllabfuhr in einer Reihe von Städten in den USA und anderen Ländern, betreibt Recycling- und Müllverbrennungsanlagen. 3,7 Milliarden Dollar betrug der Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres – ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Nettoertrag wurde in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesteigert – was den Aktienkurs in dieser Zeit um gut 210 Prozent steigen ließ. Profitiert hat davon unter anderem Bill Gates. Der Microsoft-Gründer hält über seine Beteiligungsgesellschaft Cascade Invest rund 3,4 Prozent der Firmenanteile.

Anstieg an Börsen erwartet

Derek Spronck, Analyst der Royal Bank of Canada, erwartet, dass der Kurs der auch an deutschen Börsen gehandelten Aktie in den kommenden zwölf Monaten um weitere neun Prozent steigen wird. „Waste Management ist sehr gut positioniert, um weiter zu wachsen.“ Kaufempfehlungen gibt es zudem von den US-Banken Stifel Nicolaus und KeyCorp.

Casella Waste Systems ist ein weiteres Beispiel für das Potenzial der Müllwirtschaft: Allein in den vergangenen drei Jahren ist die Aktie um 164 Prozent gestiegen. Denn der ursprünglich regionale Müllentsorger aus Rutland im US-Ostküstenstaat Vermont expandiert kräftig.

Zuletzt wurden im Juni drei weitere kleinere Abfallunternehmen in den Neuenglandstaaten übernommen. „Mit diesen Akquisitionen steigern wir unseren Jahresumsatz um weitere 18,5 Millionen Dollar“, so Vorstandschef John Casella. Im ersten Quartal dieses Jahres setzte die Gesellschaft 163,7 Millionen Dollar um, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen betrug 2018 rund 138 Millionen Dollar – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Analysten haben das Papier mit „Kaufen“ oder „Stark Kaufen“ eingestuft.

Zu den größten europäischen Branchenunternehmen zählen die französischen Gesellschaften Suez Environment und Veolia, die in der Abfallentsorgung sowie in der Wasser- und Abwasserwirtschaft tätig sind. Die Suez-Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 15 Prozent, das Veolia-Papier um 18 Prozent gestiegen. Das Suez-Papier wird aktuell mit dem 20-fachen des für dieses Jahr zu erwartenden Konzerngewinns an den Börsen bewertet, die Veolia-Aktien hingegen nur mit dem 16-fachen.

Wenige Alba-Aktien im Handel

Von den deutschen Branchenunternehmen ist der Berliner Abfallentsorger und -recycler Alba börsennotiert. Der Aktienkurs ist in den vergangenen drei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Die Dividendenrendite beträgt aktuell rund 4,4 Prozent. Das Unternehmen wird allerdings von Analysten kaum beobachtet, weil sich 93,26 Prozent der Aktien in den Händen der Vorstandsbrüder Axel und Erich Schweitzer befinden. Lediglich 6,74 Prozent der 9,84 Millionen Aktien sind im Streubesitz. Von diesen 663  413 Papieren werden täglich nur geringe Stückzahlen gehandelt.

Anleger, die in diesen Wert investieren wollen, sollten deshalb nur sogenannte „All or None“-Orders aufgegeben. Der Kaufauftrag an den Börsen wird dann nur ausgeführt, wenn auf einen Schlag die gesamte gewünschte Aktien-Stückzahl erworben werden kann. Dadurch werden teure Teilausführungen in kleinen Tranchen verhindert.

Waste Management ist sehr gut positioniert, um weiter zu wachsen.

Derek Spronck, Analyst der Royal Bank of Canada

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