Ärzte Zeitung online, 11.02.2019

Geldanlage

Schwarzes Gold beflügelt Analysten

Nachdem das Ölförderkartell OPEC die Fördermengen wieder begrenzt hat, haben Analysten hohe Erwartungen an die Branchen-Papiere.

Von Richard Haimann

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Trügerische Ruhe: Das Ölgeschäft ist alles andere als eine harmonische Angelegenheit.

© Sergiy Serdyuk / Fotolia

NEU-ISENBURG. Rauf und runter – und jetzt wieder rauf? Der Ölpreis schwankt seit Jahren kräftig und mit ihm die Aktienkurse börsennotierter Fördergesellschaften. Jetzt sehen Experten den Beginn einer neuen Rallye beim schwarzen Gold. „Ölaktien bieten deshalb jetzt eine interessante Kaufgelegenheit“, sagt Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg.

Tatsächlich haben die großen Mineralölkonzerne vergangenes Jahr ihre Gewinne weiter gesteigert, obwohl sich der Preis des Schmierstoffs der globalen Wirtschaft im vierten Quartal in der Spitze halbiert hatte. Der Branchenriese ExxonMobil aus den USA vermeldete für das Geschäftsjahr 2018 einen Gewinn von 20,8 Milliarden US-Dollar – sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Der kleinere US-Konkurrent Chevron fuhr einen Gewinn von 14,8 Milliarden US-Dollar ein und übertraf das von Abschreibungen und Sondereffekten belastete Vorjahresergebnis sogar um 60 Prozent.

Seit 2003 kräftige Schwankungen

Seit 2003 schwanken die Rohöl-Notierungen kräftig. Nach dem Einbruch im vergangenen Herbst ist der Preis des fossilen Rohstoffs im Januar wieder um knapp 25 Prozent gestiegen. Parallel zur Entwicklung der Notierung des zugrunde liegenden Rohstoffs bewegen sich die Aktienkurse der Mineralölgesellschaften, wenn auch in geringerem Umfang. So sind die Börsennotierungen der Fördergesellschaften im vierten Quartal 2018 in der Spitze nur um knapp 20 Prozent gefallen – und damit nicht einmal halb so stark wie der Preis des schwarzen Goldes selbst.

Der Grund: „Ölaktien bieten eine stabile Dividendenqualität“, sagt Köbler. Die Gesellschaften halten bei der Ausschüttung ihres Gewinns in Zeiten eines hohen Ölpreises einen Teil ihrer Erträge zurück, um in Phasen tieferer Marktpreise ihre Dividenden nicht kürzen zu müssen.

Zudem erzielen die meisten Unternehmen auch dann noch einen Gewinn, wenn der Ölpreis, wie Ende Dezember, bei nur noch rund 50 US-Dollar pro Barrel, dem klassischen Transportfass mit 159 Liter Inhalt, notiert.

Dass der Ölpreis im letzten Quartal des vergangenen Jahres stark fiel, lag vor allem an den von US-Präsident Donald Trump geschürten Handelskonflikten mit China und der EU. Das machte Investoren Angst vor einem Einbruch im weltweiten Wirtschaftswachstum.

Gute Zeiten für Aktien voraus?

„Der Ölpreis ist immer abhängig von der Weltkonjunktur“, sagt Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Kölner Vermögensverwaltung Fundamental Capital. Inzwischen hat Trump wieder Versöhnungssignale nach Europa und Fernost gesendet. Noch wichtiger: Die OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, hat die Förderung deutlich gedrosselt, um den Preis anzuheben.

Vor allem Saudi-Arabien, einer der wichtigsten OPEC-Mitgliedsstaaten, „benötigt einen Ölpreis zwischen 80 und 100 US-Dollar pro Barrel, um seinen Staatshaushalt ausgeglichen halten zu können“, sagt Köbler. Davon sind die derzeitigen Notierungen mit Preisen von 56 US-Dollar pro Barrel für die leichte Sorte WTI und 63 US-Dollar für das schwefelarme Brent Öl aus der Nordsee weit entfernt.

Für weiteren Preisdruck sorgen die US-Sanktionen gegen Erdölexporteur Iran, der beschuldigt wird, weiter an der Entwicklung der Atombombe zu arbeiten. Etliche Analysten erwarten, dass der Ölpreis in den kommenden Monaten deutlich zulegen wird und haben die Aktien vieler Fördergesellschaften im Januar mit Kaufen eingestuft.

Bei der Aktie des französischen Mineralölkonzerns Total sieht die Berenberg Bank ein Kurspotenzial von 18 Prozent auf 57 Euro. Michelle della Vigna von der Investmentbank Goldman Sachs erwartet einen Anstieg auf 68 Euro – was sogar einem Gewinn von 40 Prozent entsprechen würde.

Bei der Aktie von ExxonMobil sieht Biraj Borkhataria vom New Yorker Analysehaus RBC ein Kurspotenzial von 27 Prozent. Das Unternehmen habe seinen Gewinn 2018 deutlich stärker gesteigert als erwartet und dürfte auch im weiteren Jahresverlauf gute Zahlen liefern. Goldman-Sachs-Analyst Neil Metha hat die Aktie von Chevron mit Kaufen eingestuft und erwartet einen Kursanstieg um 20 Prozent auf 141 US-Dollar.

Keine Angst vor E-Auto-Konkurrenz

Was aus Sicht der Analysten noch für die Ölwerte spricht, sind deren Dividendenrenditen. Bei Total betragen sie auf dem aktuellen Kursniveau 5,5 Prozent, bei Royal Dutch Shell sind es sogar 6,1 Prozent.

Dass der Ölbedarf durch Elektroautomobile schnell sinken könnte, erwarten Analysten nicht. Mehr als 95 Prozent der 2018 weltweit neu zugelassenen Fahrzeuge hatten einen Verbrennungsmotor.

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