Ärzte Zeitung online, 07.09.2019

Kapitalanlage

Mischfonds meist ertragsreicher als Dachfonds

Dachfonds sollten eigentlich Risiken minimieren und Rendite optimieren. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass sie nicht selten geringere Erträge abwerfen als Mischfonds.

Von Richard Haimann

172a1601_8498234-A.jpg

Welcher Fonds soll es sein? Anleger sollten sich die jeweiligen Strategien und Portfoliozusammensetzungen ihrer Favoriten sowie die anfallenden Gebühren genau anschauen, bevor sie darin investieren.

© Minerva Studio / Fotolia

NEU-ISENBURG. Dachfonds versprechen attraktive Renditen bei geringem Risiko. Tatsächlich jedoch, das zeigt eine neue Studie der Berliner Ratingagentur Scope, erzielten die meisten Dachfonds in den vergangenen zehn Jahren eine schlechtere Performance als Mischfonds, die das Kapital ihrer Kunden direkt in einzelne Aktien und Anleihen investieren.

Die Analyse bestätigt das Ergebnis einer früheren Untersuchung der Stiftung Warentest aus 2008. Bereits damals waren die Finanzexperten der Verbraucherorganisation zu dem Schluss gekommen: „Nur wenige Dachfonds bringen gute Renditen.“

Dachfonds sind Anlagevehikel, die das Kapital ihrer Kunden nicht direkt in Aktien, Anleihen oder Fremdwährungen investieren. Stattdessen streuen sie es über diverse andere Fonds, die solche Direktanlagen tätigen.

Bei Mischfonds hingegen investieren deren Manager direkt in einzelne Aktien und Anleihen. Durch die Mischung beider Anlageklassen versuchen sie ihrerseits, für ihre Kunden möglichst hohe Erträge bei vergleichsweise geringem Risiko zu erzielen.

Einteilung in Vergleichsgruppen

Steckbrief

  • Dachfonds: Anlagevehikel, die das Kapital ihrer Kunden nicht direkt in Aktien, Anleihen oder Fremdwährungen investieren. Stattdessen legen Sie das Geld in andere Fonds an, die solche Direktanlagen tätigen.
  • Mischfonds: Anlageform, bei der die Manager direkt in einzelne Aktien und Anleihen investieren. Durch die Mischung beider Anlageklassen versuchen sie ihrerseits, für ihre Kunden möglichst hohe Erträge zu erzielen, wobei die Risiken über viele Einzeltitel und über die zwei Anlageklassen gestreut werden.

Der Theorie zufolge sollten Dachfonds eine bessere Performance erzielen, weil ihre Manager gezielt jene Fonds auswählen können, die mit hoher Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich hohe Erträge erzielen. Die Scope-Studie zeigt jedoch, dass diese Auswahl nur den wenigsten Dachfonds-Managern gelingt.

Für die Studie wurde die Performance von rund 800 weltweit investierenden Dach- und Mischfonds in den vergangenen zehn Jahren gegenübergestellt. Dazu wurden die Fonds beider Kategorien in vier Vergleichsgruppen aufgeteilt: „Global flexibel“ – Fonds, die bis zu 100 Prozent in Aktien oder Aktienfonds investieren können; „Global dynamisch“ – mit einem Aktienanteil von maximal 70 Prozent; „Global ausgewogen“ – mit einer Aktienquote zwischen 40 und 60 Prozent; „Global konservativ“ – mit einem Aktienanteil von höchstens 30 Prozent.

Das Resultat: „In allen vier Vergleichsgruppen erzielten in den vergangenen zehn Jahren Einzeltitelfonds im Durchschnitt eine höhere Performance als Dachfonds“, sagt Scope-Analyst Andreas Köchling, der die Untersuchung vorgenommen hat. Die größte Ertragsdifferenz gab es bei der Vergleichsgruppe „Global ausgewogen“.

„Während die Einzeltitelfonds dieser Gruppe auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5,5 Prozent kamen, schafften die Dachfonds im Schnitt nur 4,6 Prozent“, sagt Köchling. Aus investierten 10.000 Euro erwuchs damit bei den Einzeltitelfonds nach zehn Jahren im Schnitt ein Betrag 17.081,44 Euro; bei den Dachfonds hingegen waren es nur 15.678,95 Euro.

Konservativ oder dynamisch?

Selbst bei den konservativ ausgerichteten Fonds, die nur zu maximal 30 Prozent in Aktien investieren, hatten die Einzeltitelfonds mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 3,7 Prozent die Nase vorn.

Aus 10.000 Euro waren hier nach zehn Jahren 14.380,95 Euro geworden. Die Dachfonds dieser Kategorie schafften im Schnitt nur eine jährliche Performance von 2,8 Prozent. Ein zehnjähriges Investment von 10.000 Euro wuchs auf lediglich 13.180,48 Euro an.

Hingegen schnitten in beiden Vergleichsgruppen Fonds, die bis zu 100 Prozent in Aktien investieren können, unterdurchschnittlich ab. Einzeltitelfonds erzielten eine durchschnittliche jährliche Rendite von 3,9 Prozent, Dachfonds gar nur von 3,2 Prozent. Dabei sollten diese Fonds der Theorie nach besonders hohe Erträge abwerfen, da ihre Manager in guten Börsenphasen voll auf Aktien setzen können. Diese hatten in den vergangenen zehn Jahren weltweit starke Kurszuwächse verzeichnet.

Eine Frage der Gebührenhöhe

Dass die meisten Dachfonds geringere Renditen erzielen als die direkt investierenden Einzeltitelfonds, liegt vor allem an den Gebühren. Die sind bei Dachfonds höher, da hier aus dem Kapital der Anleger erst deren Manager bezahlt werden und anschließend bei den Investments in die einzelnen Fonds erneut Verwaltungsgebühren anfallen.

„Dachfonds fallen regelmäßig durch überdurchschnittliche Gebühren auf“, bestätigt Sebastian Gebhardt, Anlageexperte bei der Vermögensberatung Independent Capital Management in Neuss. Die Zusatzkosten reichen der Scope-Studie zufolge von durchschnittlich 0,23 Prozent pro Jahr bei Dachfonds der Kategorie „Global konservativ“ bis hin zu 0,73 Prozent pro Jahr bei Dachfonds der Gruppe „Global flexibel“.

Egal, ob Dach- oder Mischfonds: Anleger können sich den Ausgabeaufschlag von durchschnittlich fünf Prozent sparen, wenn sie Fondsanteile nicht bei Banken, sondern direkt an der Börse erwerben. Dabei fallen im Schnitt nur Gebühren von einem Prozent an.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »