Ärzte Zeitung, 21.10.2015

Allgemeinmedizin

Weiterbildung regt in Bremen auf

Die allgemeinmedizinische Weiterbildung sorgt in Bremen für Ärger. Der Hausärzteverband kritisiert die Landesärztekammer scharf.

Von Christian Beneker

BREMEN. Der Bremer Hausärzteverband ist mit seinem Antrag gescheitert, in Bremen eine hausärztliche Weiterbildungszeit beim Facharzt für Allgemeinmedizin verbindlich zu machen. Die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Bremen hat den Antrag des Verbandes mit zwei Dritteln der Stimmen in seiner letzten Sitzung abgelehnt. Das Gremium hat 25 Mitglieder.

Der Hausärzteverband Bremen reagierte mit scharfer Kritik auf die Entscheidung. Der Vorsitzende, Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, sagte: "Mit dieser Entscheidung dokumentiert die Ärztekammer Bremen in skandalöser Weise ihre ablehnende Haltung gegenüber der Allgemeinmedizin. Man ist dort offensichtlich der Meinung, dass man quasi nebenbei Allgemeinmediziner und Hausarzt werden kann", monierte der Verbandschef nach Bekanntwerden des Votums.

Weiterbildung unerwünscht?

Die Ärztekammer Bremen stelle mit dieser Entscheidung einmal mehr unter Beweis, dass sie nicht gewillt sei, "sich für eine strukturierte Weiterbildung in der Allgemeinmedizin einzusetzen".

Dr. Heike Delbanco, Hauptgeschäftsführerin der Ärztekammer Bremen, wies Mühlenfelds Kritik entschieden zurück. "In Bremen werden die Hausarztassistenten auch in den Praxen hausärztlich tätiger Internisten weitergebildet und nicht nur in den Facharztpraxen für Allgemeinmedizin. Alle Länder außer Hessen haben diese Regelung. Da wollten wir in Bremen für Wechsler keine Barrieren aufbauen."

Im Übrigen, gab Delbanco zu bedenken, brauche man rechtliche Gründe, wenn man den hausärztlichen Internisten die Weiterbildung untersagen wollte, obwohl das Weiterbildungsspektrum in der Praxis vorliege.

Ohnedies liege das Verhältnis von Hausarztassistenten, die in einer Facharztpraxis für Allgemeinmedizin ausgebildet werden und solchen, die bei einem hausärztlichen Internisten lernen "bei zehn zu eins", so die Hauptgeschäftsführerin der Landesärztekammer.

"Es ist vollkommen unverständlich, dass dieser Antrag abgelehnt wurde", sagte gleichwohl Mühlenfeld. "Dies wird negative Auswirkungen auf die Qualität der ärztlichen Versorgung in Bremen haben", fürchtet sie.

Man müsse sich jetzt gemeinsam mit der Politik Gedanken machen, wie eine qualitativ hochwertige allgemeinmedizinische Weiterbildung ohne Beteiligung der Kammer sichergestellt werden könne. (cben)

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