Ärzte Zeitung online, 03.08.2010

Plastische Chirurgen prangern Trend der Jugendlichen zu Schönheits-Op an

BERLIN (maw). Fernsehshows zu Schönheits-Op verursachen derzeit einen Run auf die Praxen von Schönheits-Chirurgen. Diese sind damit alles andere als glücklich, da vor allem Jugendliche vorstellig werden, um sich operativ korrigieren zu lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) prangert die Reality-TV-Shows nun aufs Schärfste an.

Plastische Chirurgen prangern Trend der Jugendlichen zu Schönheits-Op an

Eine schönere Nase oder schönere Brüste - wie hier die Autoaugmentation mit eigenem Körperfett - findet nach Meinung plastischer Chirurgen zunehmend Anhänger durch Reality-Fernsehen.

© CTK Photo / imago

"Reality-TV hat den Andrang von Jugendlichen für Schönheits-Op erhöht", bestätigt der ehemalige DGÄPC-Präsident Professor Albert K. Hofmann. Einer der Hauptschuldigen sind für Hofmann klipp und klar die Medien. "Brust- und Nasen-Op langweilen heute, deshalb setzt man auf Sensationsgeschichten, die aus dem Nichts eine Prinzessin oder ein Prinz entstehen lassen. Was hier gezeigt wird, hat jedoch überhaupt nichts mit Realität zu tun", empört sich der Chriurg.

Falsch ist dieses Bild für Hofmann deshalb, da Schönheits-Op kein Friseurbesuch seien, sondern schwere Körperverletzungen, deren Narben mitunter lebenslang entstellten. Jugendliche hätten davon allerdings keine Vorstellung. Hofmann macht einen weiteren Makel der TV-Beiträge aus: "Zudem führt in die Irre, dass die Teilnehmer dieser Shows zuvor im Trainingsanzug, im ‚Nachher'-Bild aber stets nach der Einkleidung durch Modeberater sowie nach Profi-Behandlung von Frisur und Make-Up dargestellt werden. Das ist in der Show, jedoch nicht im Alltag möglich."

Die ästhetisch-plastischen Chirurgen betonen ihre Verantwortung, die sie nach eigener Aussage gegenüber jungen Menschen übernehmen. Hofmann: "Jugendliche haben es nicht nötig, ihren Körper chirurgisch zu verändern." Immer wieder würden sie daher von Chirurgen nach einem aufklärenden Gespräch auch abgewiesen.

Doch nicht alle nähmen es genau mit der Ethik. "Bei manchen Kollegen ist der Patient kein Mensch, sondern Kunde. Jugendliche sind für kommerziell ausgerichtete Kliniken lukrativ, da man länger und bereitwilliger wiederkommt, wenn man schon früh in das Fahrwasser der Schönheits-Op kommt", kritisiert Hofmann.

Zum Schluss findet Hofmann auch mahnende Worte für seine Kollegen. Die Teilnahme an derartigen Reality-Shows sei nicht mit dem Berufsverständnis eines Mediziners vereinbar. "Wer als Arzt mitmacht, macht sich mitschuldig", so Hofmann.

[03.08.2010, 19:12:34]
Dr. Timo Spanholtz 
Vernünftige Indikation
Als junger Kollege im Fach Plastische Chirurgie möchte ich einige Anmerkungen zu Ihrem Artikel und den Äußerungen meines Kollegen hinzufügen. Ein plastisch-chirurgischer Eingriff - auch ein ästhetisch motivierter - ist sicherlich kein "Friseurbesuch", aber natürlich auch per se keine Körperverletzung. Dies mag zwar im juristischen Sinne der Fall sein, dennoch ist eine fundiert aufgeklärte und vernünftig durchgeführte Operation für viele Menschen ein Weg, einen subjektiven oder objektiven Makel zu überwinden. Dies kann oft das gesamte Verhalten und die Stimmung eines Patienten nachhaltig verbessern und die Lebensqualität heben. Zu erwähnen ist z.B. die Korrektur eines Nasenhöckers oder die Straffung massiv hängender Oberlider. Stichwort ist in diesem Zusammenhang die vernünftige Indikation, die professionelle Durchführung eines Facharztes für Plastische Chirurgie und die realistische Vermittlung der zu erwartenden Ergebnisse.
In das Medium Fernsehen gehören diese Operationen zweifellos nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC) hat sich von den entsprechenden Formaten übrigens längst distanziert und zuwiderhandelnde Kollegen aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Dies ist richtig so. zum Beitrag »

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