Ärzte Zeitung, 19.03.2013

IGeL

Noch läuft nicht alles rund

Brennpunkt Selbstzahlerleistungen: Wie eine aktuelle Umfrage unter Patienten zeigt, fühlen sich viele von Ärzten unter Druck gesetzt und schlecht aufgeklärt. Immerhin: Jede zweite IGeL wurde sauber angeboten.

Von Matthias Wallenfels

Noch läuft in Praxen nicht alles rund

Putziges Tierchen: der Igel.

© Eric Isselée / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Niedergelassene Haus- und Fachärzte stehen immer wieder in der Kritik, wenn es um das Anbieten Individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) in der Praxis geht.

Oft ist von Aufklärungsdefiziten und Vernachlässigung der rechtlich verbindlichen Formalia die Rede.

Auch die neueste, repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstitutes forsa im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit stimmt diesbezüglich nur verhalten positiv.

Immerhin sind nach eigenen Angaben 54 Prozent der 1001 Befragten ab 18 Jahren umfassend über die Vor- und Nachteile angebotener IGeL aufgeklärt worden.

Dabei zeigt sich weder im Ost-West- (57 zu 53 Prozent) noch im Geschlechtervergleich (Männer 55 Prozent, Frauen 53 Prozent) eine Verzerrung.

"Schwarze Schafe" unter Ärzten

Trotz aller Mahnungen von öffentlicher wie Standesseite bieten anscheinend noch immer mehr als ein Viertel der Praxisteams Selbstzahlerleistungen nicht nach den gebotenen Vorgaben an.

So gaben 27 Prozent der Befragten an, beim Arztbesuch nur oberflächlich über die IGeL informiert worden zu sein.

Die Aufklärung über Selbstzahlerangebote scheint in vier von fünf Fällen immerhin zufriedenstellend zu sein. Dennoch äußerten 18 Prozent der Befragten, lediglich darüber informiert worden zu sein, dass die der betreffenden IGeL zugrunde liegende Kassenleistung nicht ausreichend sei.

Wie die Erhebung zeigt, sind Ärzte beim Anbieten von Selbstzahlerleistungen in der Praxis weitestgehend erfolgreich. So sagte mit 69 Prozent knapp jeder Siebte, er habe eine angebotene IGeL in Anspruch genommen.

Männer sind skeptischer

Hier offenbaren sich leichte Unterschiede im regionalen und geschlechtsspezifischen Vergleich. So waren Patienten im Osten mit 75 Prozent offensichtlich leichter vom Sinn der Selbstzahlerleistung zu überzeugen als ihre Pendants im Westen, wo die Quote 67 Prozent betrug.

Männer erscheinen mit 67 Prozent schwerer zu überzeugen zu sein als Frauen mit einem Anteil von 70 Prozent. Letzteres deckt sich mit den Erfahrungen, die zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) gemacht hat.

Deren Einschätzung nach bringen Männer eher ihr Fahrzeug denn sich selbst regelmäßig auf den Prüfstand.

Patienten sind interessiert

Praxisteams scheinen beim Anbieten von Individuellen Gesundheitsleistungen bei Patienten auf ein offenes Ohr zu stoßen.

So gaben 90 Prozent der Befragten, die eine Wunschleistung in Anspruch genommen hatten, an, dies getan zu haben, da es ihnen medizinisch sinnvoll erschienen sei.

Nur fünf Prozent begründeten die Nachfrage damit, ihr Arzt-Patienten-Verhältnis im Falle einer Nichtinanspruchnahme nicht belasten zu wollen.

Bedenklich im Hinblick auf berufsrechtliche Vorgaben stimmt, dass immerhin elf Prozent der Befragten äußerten, ein IGeL-Angebot wahrgenommen zu haben, da eine weitere Behandlung oder Untersuchung vonseiten des Praxisteams von der Inanspruchnahme der Selbstzahlerleistung abhängig gemacht worden sei.

Die Umfrage offenbart auch eine immer noch stark präsente Skepsis gegenüber IGeL-Angeboten in der Praxis. So lehnten nach eigener Auskunft 60 Prozent eine Zusatzleistung ab, da sie den medizinischen Nutzen nicht erkennen konnten.

Diese Zahl sagt jedoch nichts über die Qualität der Aufklärung in Haus- und Facharztpraxen zu Selbstzahlerleistungen aus.

Rund ein Viertel führte jedoch an, eine infrage kommende Leistung finanziell nicht stemmen zu können.

Die Bereitschaft zur Inanspruchnahme bei gleichzeitiger Ratenstaffelung der Bezahlung wurde indes von forsa nicht abgefragt.

Noch läuft nicht alles rund

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