Ärzte Zeitung online, 07.12.2017
 

Rauchprävention

Harter Tobak für die Tabakbranche

Was soll die Politik gegen Nikotinsucht tun? Wie schädlich sind Tabakerhitzer? Diese Fragen beschäftigten die diesjährige Tabakkontroll-Konferenz.

Von Marco Mrusek

Harter Tobak für die Tabakbranche

Wie lässt sich die Nikotinsucht eindämmen? Eine der größen Fragen auf der Tabakkontroll-Konferenz.

© Knut Wiarda / fotolia.com

HEIDELBERG. Geht es nach dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR), kommen harte Zeiten auf die Tabakindustrie in Deutschland zu. Sieben Forderungen an die Politik umfasst der Katalog von DKFZ und ABNR, den Dr. Ute Mons, beim DKFZ Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention, am Mittwoch bei der 15. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg vorstellte.

Das sei auch dringend nötig, berichtete Mons, denn Deutschland bleibe hinter dem EU-Durchschnitt zurück, wenn es darum gehe, den Anteil der rauchenden Bevölkerung zu reduzieren. Im Vergleich zum Jahr 2006 sei der Anteil der Raucher EU-weit um sechs Prozentpunkte, in Deutschland um fünf Punkte gesunken. Verglichen mit dem Jahr 2009 sei der Anteil der Raucher in Deutschland gleichgeblieben, während EU-weit drei Prozentpunkte weniger Bürger rauchten.

Was sind die konkreten Forderungen aus Heidelberg? Als Erstes solle der Nichtraucherschutz in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen, am Arbeitsplatz und im Auto verbessert und vereinheitlicht werden. Als Zweites seien Werbung, Promotion und Sponsoring für Tabakprodukte und E-Zigaretten in jeder Form zu verbieten.

Die weiteren Punkte haben eine deutliche und kontinuierliche Erhöhung der Tabaksteuern und eine Einschränkung der Vertriebsmöglichkeiten von Tabakwaren zum Inhalt. Die Tabakindustrie mit im Boot hat das ABNR bei der Forderung, den illegalen Handel von Tabakprodukten zu unterbinden. Hierbei geht es unter anderem um häufig überschrittene Grenzwerte von Additiven und Ingredienzien in illegal hergestellten Zigaretten. Als letzte Punkte sollen sowohl die Einflussnahmen der Tabakindustrie transparenter und weniger als auch Hilfen zum Rauchausstieg verbessert werden.

Rauchfreie Produkte, wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer, die von einem Teil der Konsumenten als Alternative zur Verbrennungszigarette genutzt werden, standen bei der Konferenz ebenfalls im Fokus. Nadja Mallock vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) präsentierte für die Tabakerhitzer bisher noch unveröffentlichte Untersuchungsergebnisse zur Schadstoffexposition beim Inhalieren des Aerosols. "Im Wesentlichen bestätigen unsere Untersuchungsergebnisse die Daten des Herstellers", kommentierte Dr. Frank Henkler-Stephani vom BfR die Untersuchungsergebnisse.

Vor einem Jahr hatte der Hersteller eines Tabakerhitzers, Philip Morris International, Studiendaten veröffentlicht, die eine Reduktion der Schadstoffexposition beim Inhalieren des Aerosols belegten. Die Zytotoxizität war um 90 Prozent geringer, die Mutagenität um 95 Prozent geringer im Vergleich zu einer Verbrennungszigarette (Regul Toxicol and Pharmacol 2016, 81:S27-S47).

In seiner Untersuchung hatte sich das Forscherteam des BfR vor allem auf die Konzentration der Hauptkanzerogene im Zigarettenrauch konzentriert, unter anderem 1,3-Butadien und Benzol. Die Dosierung dieser Kanzerogene war "deutlich reduziert" im Vergleich zu einer herkömmlichen Verbrennungszigarette, erklärte Henkler-Stephani.

Wichtig sei jedoch, dass ein verminderter Schadstoffgehalt im inhalierten Aerosol nicht automatisch mit einer im gleichen Maße verminderten Exposition des Konsumenten mit diesen Stoffen einhergehe, wandte er ein. Beim Dampf eines Tabakerhitzers wie auch einer E-Zigarette handle es sich weiterhin um ein mutagenes Aerosol. "Den Konsum davon wird das BfR nicht empfehlen und sich auch keiner Reduced-Risk-Einstufung anschließen", sagte Henkler-Stephani im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

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