Ärzte Zeitung, 04.09.2013
 

Patienten erreichen

Ärzte entdecken das Internet

Der Umgang mit dem Internet ist mittlerweile fast so selbstverständlich wie die Nutzung des Telefons. Das gilt auch für Ärzte - und nicht nur für die jungen. Denn übers Netz lassen sich zunehmend Patienten besser erreichen.

Von Hauke Gerlof

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Arzt goes digital: Immer mehr Doktoren entdecken das Internet als Dienstleister.

© Tuomas Kujansuu/istockphoto.com

MÜNCHEN. Die niedergelassenen Ärzte entdecken das Internet als Spielwiese unternehmerischer Aktivitäten in Richtung Patienten. Das ist eine der überraschenderen Erkenntnisse aus der LA-MED 2013, deren Ergebnisse Ende August veröffentlicht worden sind.

Dabei zeigte die LA-MED schon in den vergangenen Jahren, zuletzt 2011, dass die Ärzte - genauer gesagt: Allgemeinmediziner, Praktiker und Internisten - das Internet und SocialMedia-Plattformen auch zu beruflichen Zwecken nutzten. Doch ging es dabei überwiegend um die Nutzung als Anwender, zum Beispiel die Recherche medizinischer Inhalte oder Online-Fortbildung.

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Die LA-MED 2013 belegt zwar, dass diese Anwendungen nach wie vor zu den Favoriten der Ärzte bei der beruflichen Internet-Nutzung gehören: 92 Prozent der Ärzte, die ins Internet gehen, recherchieren dort auch nach medizinischen Inhalten, 88 Prozent nutzen E-Mail, 68 Prozent nehmen an Online-Fortbildungen teil. Es gibt jedoch zunehmend weitere Aktivitäten im Netz.

Die Leseranalyse Medizinischer Fachkreise (LA-MED) wird alle zwei Jahre über eine repräsentative Umfrage unter Allgemeinärzten, Praktikern und Internisten (API) von einem Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft LA-MED durchgeführt.

Der Arbeitsgemeinschaft gehören Fachverlage, Unternehmen aus der Pharmabranche und Agenturen an. Für die LA-MED 2013 hat TNS Infratest insgesamt 1002 repräsentativ ausgewählte Ärzte in zwei Wellen von September 2012 bis Juni 2013 zu Lesegewohnheiten und zur beruflichen Nutzung des Internets befragt.

Auch Ärzte über 60 sind online

Die Nutzung des World Wide Web ist für Ärzte nach diesen Ergebnissen fast so selbstverständlich wie die des Telefons: Nur noch 4,5 Prozent der Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten sagen von sich, dass sie nie ins Internet gehen.

Und selbst bei den über 60-Jährigen sind mittlerweile rund 90 Prozent online.Auch die Zeit, die Ärzte im Internet verbringen, wächst langsam, aber stetig: 4,4 Stunden in der Woche sind laut LA-MED die Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten durchschnittlich im Netz unterwegs. Zwei Jahre zuvor waren es noch 4,2 Stunden.

Nachdem seine Nutzung selbstverständlich geworden ist, wird das Internet nun zunehmend auch zu einer Plattform für Marketing-Aktivitäten in Richtung Patienten: Der Anteil der API, deren Praxis im Internet mit einer eigenen Website vertreten ist, stieg binnen zwei Jahren um rund ein Drittel, von 30 auf nahezu 40 Prozent.

Dabei stieg der Anteil der Allgemeinärzte und Praktiker mit eigener Praxiswebsite von einem niedrigeren Niveau - von 26,7 auf 35,9 Prozent -, aber durchaus in derselben Geschwindigkeit wie bei den Internisten. Bei ihnen ging der Anteil von 37,1 auf nun 47,7 Prozent nach oben.

Der Anteil der Praxen mit eigener Website ist in größeren Praxen (über 1000 Scheine) erwartungsgemäß etwas höher als in kleineren Praxen (unter 1000 Scheine im Quartal) - 42,5 Prozent versus 34,1 Prozent.

Noch deutlicher ist der Unterschied zwischen Praxen in den westlichen Bundesländern (42,2 Prozent) und denen in den östlichen Bundesländern (27,5 Prozent). Kräftig gewachsen ist der Anteil der Praxen, die das Internet für die Patientenkommunikation nutzen, etwa für Online-Terminvereinbarungen - von 28 Prozent 2011 auf nun 34 Prozent. In den Jahren zuvor hatte dieser Wert lange relativ stabil weit unter 30 Prozent verharrt.

Jeder zehnte Arzt mit Tablet

Die LA-MED 2013 zeigt auch, dass die Mobilität der Internet-Nutzung bereits relativ hoch ist - und zwar so ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung: Zwar geben rund 84 Prozent der API an, dass sie klassisch mit Desktop-PC ins Internet gehen. Doch Notebooks (56,6 Prozent) und Smartphones (18,6 Prozent) werden auch bereits von vielen Ärzten für das Surfen im Web verwendet.

Netbooks (5,8 Prozent) und Tablet-PC wie das iPad (10,4 Prozent) dagegen liegen in der beruflichen Nutzung noch vergleichsweise abgeschlagen zurück. Für die LA-MED 2011 waren diese Werte noch nicht erhoben worden.

Ganz klar im Trend liegt eine zunehmende berufliche Nutzung des Internets: 37,6 Prozent der API gehen nach den Ergebnissen der Umfrage überwiegend (mehr als 50 Prozent) aus beruflichen Gründen ins Netz; zwei Jahre zuvor waren es noch 33,8 Prozent gewesen.

Auch die Nutzungsintensität ist gestiegen: Fast 36 Prozent der API gehen mehrmals täglich ins Netz, acht Prozentpunkte mehr als noch zwei Jahre zuvor.

Damit einher geht eine Verlagerung der Internet-Nutzung weg von zu Hause hin zur Praxis: Vor zwei Jahren sagten 46 Prozent der API, dass sie überwiegend von den eigenen vier Wänden aus ins Internet gehen, in der aktuellen Umfrage waren es nur noch knapp 40 Prozent.

Diese Entwicklung ist möglicherweise auch auf die zunehmende Verbreitung moderner Hard- und Software-Lösungen für die Internet-Nutzung aus der Praxis heraus zurückzuführen. Diese Lösungen ermöglichen es Ärzten, ins Netz zu gehen und doch die Daten der Praxis-EDV vom Netz getrennt zu halten, wie es von Kammern und KVen vorgeschrieben wird.

Spannend ist auch die Entwicklung bei Social-Media-Plattformen wie Xing oder Facebook. Das eher im Publikum weit verbreitete Facebook hat bei den API laut LA-MED deutlich an Popularität eingebüßt: Nur noch zwölf Prozent von ihnen geben an, Facebook zu nutzen, vor zwei Jahren waren es noch 16 Prozent gewesen. Auch bei Twitter und bei Xing ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Dagegen liegt Google+ jetzt mit 22 Prozent der API als einzelner Dienst klar vorne. Gestiegen ist auch die Nutzung spezieller Communities oder Foren für Ärzte, etwa von Ärztenetzen, KVen, Kammern oder auch von Medien - von 32 auf 36 Prozent. Die Nutzer dieser Foren verteilen sich allerdings auf viele Anbieter.

Weitere Informationen zur LA-MED: www.la-med.de

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