Ärzte Zeitung, 13.09.2013

Bewertungsportale

Internet wird immer bedeutender für Arztwahl

Patienten suchen ihren Arzt immer häufiger über das Internet. Dabei wird der Einfluss von Bewertungsportalen immer stärker sichtbar.

Von Hauke Gerlof

Internet wird immer bedeutender für Arztwahl

Arztbewertungsportale wie Jameda gewinnen an Bedeutung für Patienten - und dadurch auch für Ärzte.

© Danielle Bonardelle /fotolia.com

NEU-ISENBURG. Arztbewertungen in einschlägigen Internet-Portalen gewinnen für die Arztwahl zunehmend an Bedeutung.

Das zeigt eine Querschnittbefragung eines Online-Panels von 1505 Teilnehmern aus dem Januar 2013, die Professor Martin Emmert und andere von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gemacht haben.

Nach den Ergebnissen der Studie hatten 32 Prozent der Teilnehmer von einem der angegebenen Portale (unter anderem Arzt-Auskunft, DocInsider, Imedo, Jameda, OnMeda Weisse Liste) gehört.

Ebenso viele gaben an, keines der Portale zu kennen. 25 Prozent der Teilnehmer sagten, dass sie mindestens eines der Portale für die Arztsuche genutzt hätten. Zweistellige Bekanntheitswerte erreichten nur Jameda (16,9 Prozent) und Arzt-Auskunft (11.4 Prozent).

Bewertungen beeinflussen die Patienten

Insgesamt suchen 63 Prozent der Befragten ihren Arzt über das Internet. Elf Prozent der Teilnehmer hatten über eines der Portale bereits eine Bewertung vergeben.

Insgesamt nutzt zwar weiterhin nur eine Minderheit der Online-Nutzer Arztbewertungsportale. Aber diejenigen, die in den Portalen unterwegs sind, lassen sich durchaus von den dort ausgesprochenen Bewertungen beeinflussen. Das zeigen die weiteren Ergebnisse der Befragung.

Auf die Frage "Haben Sie sich schon einmal aufgrund einer Bewertung auf einem Arztbewertungsportal für einen Arzt entschieden und diesen dann auch aufgesucht?" anworteten knapp zwei Drittel mit ja, ein Drittel mit nein.

Auch Negativbewertungen fließen demnach in die Arztwahl mit ein, wie eine weitere Frage zeigt. So hat gut die Hälfte der Befragten, die Arztbewertungsportale für die Arztsuche nutzen (52 Prozent), aufgrund einer Bewertung sich schon einmal gegen einen Arzt entschieden und diesen dann nicht aufgesucht.

Einfluss nicht unterschätzen

Weder Gesundheitspolitiker noch Ärzte sollten den Einfluss von Bewertungsportalen unterschätzen, lautet die Schlussfolgerung der Studienautoren.

Die Portale spielten bereits heute eine wichtige Rolle in der Entscheidungsfindung bei der Suche von Patienten nach einem Arzt. In Zukunft müsse nun untersucht werden, ob über die Bewertungsportale die Behandlungsqualität von Ärzten oder anderen Leistungserbringern überhaupt darstellbar sei.

Ergebnisse der Studie sind im August im Journal of Medical Internet Research publiziert worden. Die Befragung wurde durch das Arztbewertungsportal Jameda finanziert, eine inhaltliche Einflussnahme durch das Unternehmen sei aber nicht erfolgt, so Emmert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Augen auf im Internet!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »