Ärzte Zeitung online, 06.05.2014
 

Internetnutzung

Elternbrief warnt vor Gefahren für Kinder

Die Ärztekammer Niedersachsen will Praxen bei Prävention mit ins Boot holen, wenn es um surfende Kinder im Internet geht.

HANNOVER. Das Bündnis "White IT" hat einen so genannten "Elternbrief" geschrieben. Er befasst sich mit den Gefahren, denen Kinder im Internet ausgesetzt sind. Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) ist White IT-Bündnispartner und hat den Brief mit erarbeitet.

"Aus meiner Arbeit weiß ich, dass Eltern zu wenig tun, um ihre Kinder zu schützen", sagt Dr. Gisbert Voigt, Kinderarzt und Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), zur "Ärzte Zeitung".

Die KIM-Studie 2012 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest habe ermittelt, dass 21 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen sechs und sieben Jahren das Internet nutzen.

Bei den Acht- bis Neun-Jährigen seien es sogar 48 Prozent. Diese Kinder nutzen allzu oft Internetangebote, die für Erwachsene konzipiert wurden, suchen mit der Erwachsenen-Suchmaschine "Google", geben als eine ihrer Lieblingsseiten im Internet die Community "Facebook" an oder schauen Videos auf dem Videoportal "YouTube", teilt die ÄKN mit.

Bedrohungspotenzial Cybermobbing

"Zu den Schattenseiten des Internets gehören Treffen mit Fremden, die sich das Vertrauen Ihres Kindes erschleichen oder Cybermobbing, bei dem Kinder beleidigt oder gehänselt werden. Dazu gehören auch gewaltverherrlichende oder furchteinflößende Videos und Bilder, die Kindern Albträume bereiten können", heißt es in dem Elternbrief.

Eltern machen sich zu wenig Gedanken über diese Zusammenhänge, meint Voigt: "Von uns werden nicht nur therapeutische Maßnahmen erwartet, wir können Kinder und Eltern auch dabei unterstützen, die neuen Medien altersgerecht zu nutzen und Gefahren abzuwenden."

Der Brief sollte in möglichst vielen Haus- und Kinderarztpraxen ausgelegt werden, wünscht sich Voigt.

Ob der Internetkonsum Kinder süchtig macht, ist indessen unklar. "Aber ich stelle fest, dass Kinder die schon früh einen PC im Kinderzimmer haben und ständig davor sitzen, verwahrlosen. Sie waschen sich nicht mehr regelmäßig, isolieren sich, entwickeln Ess-Störungen oder Schlafstörungen", berichtet Voigt.

Mindestens seien diese Kinder "Psychisch alteriert", sagt der Kinderarzt. "Wer täglich weit über vier oder fünf Stunden im Internet ist, entwickelt die Grundcharakteristika eines Suchtverhaltens." (cben)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »