Ärzte Zeitung, 15.04.2016

Masterplan Medizinstudium

Noch viele Punkte sind strittig

Nicht nur zwischen Bund und Ländern ist die Abstimmung über den Masterplan Medizinstudium 2020 kompliziert. Ein Kernproblem : Werden in Zukunft mehr Studienplätze benötigt?

Von Ilse Schlingensiepen

Noch viele Punkte sind strittig

Für die Zukunft gerüstet? Aufmerksame Medizinstudenten, praxisnahe Demonstration am Dummy.

© Lübke / dpa

DÜSSELDORF. Bei der Erarbeitung des geplanten "Masterplans Medizinstudium 2020" sind sowohl in den Grundsätzen als auch in den Details noch viele Punkte strittig.

Das berichtete Dr. Frank Stollmann, Leitender Ministerialrat im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, auf der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) in Düsseldorf. "Die Diskussion zwischen den Wissenschafts- und Gesundheitsressorts des Bundes und der Länder ist noch nicht abgeschlossen."

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Es gehe nicht nur um die ohnehin schon schwierige Abstimmung zwischen dem Bund und den 16 Ländern in einem Ressort, sondern auch um die Abstimmung zwischen zwei Ressorts. "Sie haben ganz viele Protagonisten, die versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen", betonte Stollmann.

Die an der Redaktion des Masterplan Beteiligten haben sich nach seinen Angaben darauf verständigt, aus diesem schwierigen Prozess keine Zwischen- oder Teilergebnisse zu veröffentlichen.

Allgemeinmedizin wird gestärkt

Mit dem Masterplan wolle die Politik dem quantitativ und qualitativ veränderten Versorgungsbedarf Rechnung tragen, erläuterte Stollmann. Zu den Schwerpunkten gehören dabei die zielgerichtete Auswahl der Studierenden, die Förderung der Praxisnähe durch eine Modernisierung der Studieninhalte und die Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium.

Ein offener und intensiv diskutierter Punkt sei die Frage nach einer Erhöhung der Anzahl der Studienplätze. "Es ist das zentrale Interesse der Gesundheitspolitik, dass die medizinischen Hochschulen genügend ärztlichen Nachwuchs für den niedergelassenen Bereich ebenso wie für die Krankenhäuser ausbilden", sagte Stollmann.

Die Medizinstudierenden halten die Erhöhung der Medizin-Studienplätze nicht für eine geeignete Maßnahme zur Sicherstellung der künftigen Versorgung.

"Wir haben in Deutschland eine der höchsten Arztdichten in ganz Europa, es kommt nach wie vor auf die Fachrichtung an", sagte Lauritz Blome, Bundeskoordinator für Gesundheitspolitik in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd).

Angesichts des relativen Ärztemangels in einzelnen Fächern helfe ein Mehr an Studienplätzen nicht. "Stattdessen müssen individuelle Anreize in Weiterbildung, Niederlassung und Vergütung gesetzt werden, um eine Arbeit in den entsprechenden Fachrichtungen wieder attraktiver zu gestalten", forderte Blome.

Bei der Auswahl der Studierenden macht sich der bvmd für eine Abschaffung der 60/20/20 Quote stark, also der Regelung, dass 60 Prozent der Plätze nach dem individuellen Auswahlverfahren der Hochschule verteilt werden, 20 Prozent nach Wartezeit und 20 Prozent an die Besten eines Abiturjahrgangs gehen.

 Blome plädierte für die Einführung einer bundesweit einheitlichen Zulassung, die neben der Abiturnote auch Medizinertests, Freiwilligendienste und Berufsausbildungen in Gesundheitsberufen einbeziehen sollte.

"Im Endeffekt sollte die Hochschulzugangsberechtigung, nämlich das Abitur, einen soliden Stellenwert bei der Zulassung behalten, muss aber durch andere Faktoren auch ausgleichbar sein."

Plädoyer für enge Kooperation

Blome warb beim Thema Medizinstudium um eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Medizinstudierenden. Die beiden Seiten sollten sich in den wichtigen Fragen der Ausbildung nicht auseinander dividieren lassen.

 "Das Thema Medizin ist zu wichtig, um es einzelnen Verbänden zu überlassen, und zu kompliziert, um die Politik damit alleine zu lassen", sagte er.

Zumindest in der Frage der Studienplatzzahlen ziehen die ÄKNo-Delegierten und die Studierenden aber nicht an einem Strang. Die Kammerversammlung verabschiedete bei nur vier Enthaltungen einen Antrag mit den Positionen der Kammer zum Masterplan. Darin fordern die Delegierten an erster Stelle eine Erhöhung der Studienplatzkapazitäten.

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