Ärzte Zeitung, 20.05.2016
 

Junge Allgemeinmediziner

Ratschläge von erfahrenen Ärzten sehr willkommen

Beim Abend der Allgemeinmedizin in Mainz bekommen Studienanfänger jede Menge Einblicke - und praktische Tipps von erfahrenen Allgemeinärzten.

Von Anne Zegelman

MAINZ. Möglichst breit aufstellen sollten sie sich, rät Dr. Jürgen Hoffart, Hauptgeschäftsführer der Landesärztekammer, zwei Studienanfängerinnen, die sich beim sechsten Mainzer Abend der Allgemeinmedizin zum Thema Weiterbildung informieren möchten.

Die eine der beiden Studentinnen fragt, was genau er empfehlen würde. "Zum Beispiel Pädiatrie", sagt Hoffart. "Mit jungen Patienten werden Sie als Hausärztinnen gerade im ländlichen Raum, in dem es wenige Pädiater gibt, oft konfrontiert. Da könnte das sehr hilfreich sein."

Unter dem Titel "Der Hausarzt - Die Perspektive!" haben die Landesärztekammer und der Lehrbereich Allgemeinmedizin erneut Studenten der vorklinischen Semester in die Räume des Zentrums für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz eingeladen.

140 künftige Mediziner hatten sich angemeldet. Und wie schon in den vergangenen Jahren können die Teilnehmer sich an mehreren Stationen zu Themen wie Zukunftsperspektive Landarzt und Vereinbarkeit von Beruf und Familie informieren.

2400 Euro fürs PJ-Tertial

Junge Ärzte in Fokus

Mit einer neuen Themen-Seite will die "Ärzte Zeitung" vermehrt junge Ärzte in Studium und Weiterbildung in den Blick nehmen.

Hier geht's zur Seite!

"Uns geht es darum, die Bandbreite der Allgemeinmedizin darzustellen", erklärt Ines Engelmohr, Sprecherin der Landesärztekammer. Das Interesse am Markt der Möglichkeiten, wie die Veranstalter ihren Informationsparcours nennen, sei über die Jahre stärker geworden.

Als "wunderschönen Beruf, der viel Freude macht" bezeichnet Dr. Michael Fink, Vize-Präsident der Landesärztekammer und niedergelassener Arzt in einer Gemeinschaftspraxis im Westerwald, das Arztdasein.

Mancher frage sich, ob er die große Breite, die die Allgemeinmedizin fordere, auch abdecken könne. "Suchen Sie sich persönliche Arbeitsschwerpunkte", rät Fink den anwesenden Studenten, "und erweitern Sie auch als fertiger Arzt immer Ihren Horizont!"

Professor Karl-Bertram Brantzen, Lehrbeauftragter an der Uni Mainz, greift diesen Gedanken auf: "Ich kenne kaum einen Kollegen, der nicht auch einen persönlichen medizinischen Schwerpunkt wählt, auf dem er dann Facharztniveau erreicht."

An seinem Stand empfiehlt Hoffart von der Landesärztekammer den möglichen künftigen Hausärzten deshalb auch nicht nur einen Blick in die Pädiatrie, sondern auch in die Gynäkologie, Proktologie, Chirurgie und sogar Anästhesie.

"Ich würde immer dazu raten, für die Weiterbildung ein kleines Haus der Grund- und Regelversorgung zu wählen, aber auch, ein Jahr mehr zu machen als die Mindestzeit", so der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Das ist auch der Rat der Hausärztin und dreifachen Mutter Dr. Barbara Römer, die zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie informiert - und die sich persönlich sehr für Palliativmedizin interessiert. Einen Tag pro Woche reserviert sie sich dafür, palliativ zu arbeiten - "damit habe ich schon immer geliebäugelt", so Römer.

Den Erstsemestern sagt sie: "Strecken Sie schon jetzt Ihre Fühler aus und finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht."

Mut zur Lücke haben

Die Entscheidung, sich vor sieben Jahren mit einem zweiten Allgemeinmediziner in Saulheim niederzulassen, habe sie nie bereut, sagt Römer, im Gegenteil: "In der Selbstständigkeit haben Sie viel Flexibilität, sind Ihre eigene Chefin und entscheiden selbst - das ist als Arzt sicher das Befriedigendste, was man erleben kann", sagt sie ihren jungen Zuhörern, die an diesem Stand vorwiegend weiblich sind.

Ein weiterer Rat: "Beginnen Sie schon jetzt, früh im Studium, mit dem Networking. Kontakte sind wertvoll - sie machen später den Erfolg aus, wenn Sie nach einer Kinderpause wieder einsteigen wollen."

Alle drei Kinder bekam Barbara Römer während der Weiterbildung, trotzdem war sie nach siebeneinhalb Jahren Fachärztin. Entsprechend gelassen geht sie mit dem Thema Familienplanung um. "Haben Sie Mut zur Lücke und bleiben Sie ruhig mal daheim - es passiert nichts", beruhigt sie die Studentinnen.

Eine Familie ließe sich gerade mit eigener Praxis hervorragend organisieren. Generell habe man als Niedergelassene eine sehr viel bessere Work-Life-Balance, findet Römer, die auch schon als Angestellte in der Klinik arbeitete, aber irgendwann keine Nacht- und Wochenenddienste mehr machen wollte.

Eine kluge Entscheidung: "Dank flächendeckender Notdienstzentralen in Rheinland-Pfalz haben wir jetzt wirklich Wochenende und machen auch an Brückentagen zu", sagt sie.

Albrecht Winkler, Referent des Gesundheitsministeriums, stellt den Studierenden ein Förderprogramm fürs Praktische Jahr (PJ) vor.

"Wer sich für ein Tertial Allgemeinmedizin entscheidet, kann 600 Euro pro Monat an Fördergeld aus Landesmitteln erhalten, also 2400 Euro insgesamt", erklärt er.

Die Voraussetzung für die Förderung sei, an der Uni Mainz eingeschrieben zu sein und das entsprechende Tertial in Rheinland-Pfalz zu absolvieren. Das Förderprogramm PJ-Tertial Allgemeinmedizin laufe seit etwa zwei Jahren, berichtet Winkler.

Ein Limit nach oben gebe es derzeit nicht, jeder, der sich bewerbe, könne die Förderung erhalten. Es müsse lediglich ein einseitiger Antrag ausgefüllt werden. Sein Ministerium erhoffe sich auch durch den Masterplan Medizinstudium 2020 weitere Impulse.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »
Serie: Wegweiser Weiterbildung