Ärzte Zeitung, 30.09.2016

DEGAM-Kongress

Total digital ist in der Weiterbildung Trumpf

Vernetztes Lernen in der Weiterbildung Allgemeinmedizin macht nur Sinn, wenn es standortübergreifende Lösungen gibt.

Von Raimund Schmid und Jana Kötter

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Nichts geht mehr ohne PC: Weder beim Lernen in der Weiterbildung, noch bei der Arbeit in Klinik und Praxis.

© Drobot Dean / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Digitale Lösungen sind heute für das vernetzte Lernen in der Medizin bei jungen Medizinern vor allem in der Weiterbildung Allgemeinmedizin nicht mehr wegzudenken. Allerdings haben sich in der Praxis bisher nur standortübergreifende Ansätze bewährt.

Der Aufwand für kleinere Insellösungen an einer Universität sei nach eigenen Erfahrungen in Bochum einfach viel zu hoch, berichtete Bert Huenges von der Ruhr-Universität Bochum bei einem Pre-Conference Workshop anlässlich des 50. Jubiläumskongresses der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) am Donnerstag in Frankfurt.

Dagegen sei das übergreifende Online-Anmeldesystem für das Weiterbildungskolleg Allgemeinmedizin Hessen ein Erfolg, erläuterte Regina Kinczler vom Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Frankfurt am Main.

Von 2013 bis September 2016 wurden bereits 1000 Seminarteilnahmen online gebucht.

Fundierter Austausch kommt in Gang

Eine positive Zwischenbilanz kann auch von der ersten deutschen Web 2.0 basierten KOLEGEA-Plattform gezogen werden, mit der der klinische Wissensaustausch von Ärzten in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin gefördert wird.

Nach den Erfahrungen von Professor Christoph Heintze, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Charité Berlin, können dabei zum Beispiel Ärzte in Weiterbildung ihre eigenen Patientenfälle aus der Praxis in einer geschlossenen Community von Allgemeinärzten und auch Fachärzten anonym teilen und diskutieren.

Durch die strukturierte Darstellung der Falldaten komme so ein klinisch fundierter Austausch in Gang, von dem vor allem junge Mediziner enorm profitierten. Bisher sind über KOLEGEA 131 Fälle von insgesamt 400 Teilnehmern eingestellt worden.

67 Studierende haben das Förderprogramm durchlaufen

Über das System kann aber auch online eine Selbsteinschätzung zum eigenen Wissensstand in zwölf medizinischen Bereichen und sechs Kompetenzfeldern ermittelt werden. Daraus resultieren dann individuelle Lernziele, die über Lerngruppen, Mentoren und einem immer wieder aktualisierten eigenen Kompetenzbarometer online unterstützt werden.

Nach Ansicht von Heintze sollten künftig bundesweit alle Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin KOLEGEA nutzen, weil sie damit besser ihre individuellen Stärken und Schwächen ermitteln und ihr Lernen danach viel gezielter und effizienter ausrichten können.

Fünf Jahre nach dem Start der DEGAM-Nachwuchsakademie hat die Fachgesellschaft bei ihrem Jubiläumskongress in Frankfurt ein positives Fazit gezogen. 67 hausärztlich interessierte Studierende haben das Förderprogramm bereits durchlaufen und dabei eine individuelle Betreuung von Allgemeinmedizinern erhalten.

15 neue Studierende werden pro Jahr aufgenommen

Als "Leuchtturmprojekt" sei die Nachwuchsakademie einzigartig, betonte Professor Ferdinand Gerlach, DEGAM-Präsident und Leiter des Instituts der Allgemeinmedizin der Uni Frankfurt. "Sie wird dazu beitragen, eine neue Generation von Allgemeinmedizinern zu prägen."

Jedes Jahr nimmt die DEGAM bis zu 15 neue Studierende in ihre Akademie auf, die dann drei Jahre Teil einer Förderung sind. Neben der individuellen Betreuung erhalten sie die Möglichkeit, an Klausurwochenenden und während der Summerschool ihre praktischen Fertigkeiten zu verbessern (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Für die geförderten Studierenden ist der Jahreskongress eine Möglichkeit des Austauschs. So konnten am Donnerstag etwa jene des neuen Jahrgangs im Workshop Fragen zu ihren Forschungsvorhaben klären.

Infos zur Online-Plattform: http://www.kolegea-plus.de

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