Ärzte Zeitung, 12.10.2016
 

Was hab' ich?

Junges Start-Up erhält prominenten Paten

Patientenkommunikation auf Augenhöhe: Das ist die Vision des Start-Ups "Was hab‘ ich?". Dafür gibt es nun Unterstützung aus dem Gesundheitsministerium.

Von Jana Kötter

BERLIN. Für ihr Ziel, die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu verbessern, erhält das Start-Up "Was hab' ich?" prominente Unterstützung: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ist ab sofort Botschafter des Sozialunternehmens.

Das Kernstück der Arbeit ist die Website washabich.de, auf der Patienten kostenlos eine leicht verständliche "Übersetzung" ihrer medizinischen Befunde erhalten. Seit der Gründung vor fünf Jahren wurden nach eigenen Angaben fast 29.000 Befunde in eine laienverständliche Sprache übertragen.

Patienten reichen dazu elektronisch ihre Befunde ein. In einem nur für Mitglieder zugänglichen Netzwerk suchen sich ehrenamtlich tätige Ärzte und Medizinstudenten ab dem achten Fachsemester die Befunde aus, die sie übersetzen möchten. Die rund 100 aktiven "Übersetzer" bieten dabei ausdrücklich keine Zweitmeinung an.

Bereits bei seinem Treffen mit dem jungen Unternehmen während seiner Sommerreise betonte Gröhe, er wolle sich aktiv für die Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation einsetzen.

"Was hab‘ ich?" lobt er in diesem Zusammenhang als "zukunftsweisend": "Gute und verständliche Aufklärung der Patienten ist entscheidend für den Behandlungserfolg", so der Minister. "Was hab‘ ich?" stärke die Rolle der Patienten und erhöhe das Verständnis für die Therapie, was für die Compliance essenziell sei.

Zur Verbesserung der Patientenkommunikation gerade bei jungen Ärzten ist das fünfköpfige Team – auch drei Ärzte sind angestellt – an vielen Stellen aktiv: Seit 2014 kooperiert "Was hab‘ ich?" mit Unis für Wahlpflichtkurse im Fach Kommunikation.

Außerdem arbeitet das nicht gewinnorientierte Start-Up an einem automatisierten Patientenbrief, der künftig allen Patienten bei der Klinikentlassung zur Verfügung stehen soll. Eine erste Pilotphase, deren Evaluation das Bundesgesundheitsministerium finanziell fördert, läuft mit den Paracelsus-Kliniken Bad Ems.

Die prominenten Botschafter – neben Gröhe sind bereits der ehemalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und der Comedian Dr. Eckart von Hirschhausen dabei – spielen laut Geschäftsführer Ansgar Jonietz eine wichtige Rolle.

Durch ein "aktives Weitertragen unserer Idee und unserer Ziele" unterstützten sie die Vision einer Kommunikation auf Augenhöhe, so Jonietz auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Gröhes Patenschaft zeige nun einmal mehr, "wie wichtig der Einsatz für eine patientenfreundliche Kommunikation ist".

Geschäftsführer Ansgar Jonietz spricht im Video über die Vision des Unternehmens: www.aerztezeitung.de/917550

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