Ärzte Zeitung, 20.12.2016

Jugner Arzt

"Schrittweise zur eigenen Praxis"

Zunächst in eine Anstellung zu gehen, ist für die Niederlassung kein K.o.-Kriterium. Im Gegenteil, findet Allgemeinmediziner Matthias Michiels-Corsten: Er will zunächst wertvolle Erfahrungen sammeln.

Ein Gastbeitrag von Matthias Michiels-Corsten

Eine eigene Praxis? Das kann ich mir durchaus vorstellen – allerdings in ein paar Jahren, noch nicht jetzt. Ich habe im September meine Facharztprüfung gemacht und befinde mich damit an einer Art Schnittstelle. Die Frage nach der Zukunft beschäftigt mich an diesem Punkt natürlich sehr.

Ich arbeite seit diesem Monat in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis – in Teilzeit-Anstellung. Die andere Hälfte meiner Arbeitszeit bin ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Allgemeinmedizin an der Philipps-Universität Marburg tätig.

Mir macht es Spaß, in meinem Themengebiet der ärztlichen Entscheidungsfindung zu forschen und ich würde auf diesen Teil meines Berufslebens aktuell nicht verzichten wollen.

Ich persönlich denke, dass ich in meiner Anstellung wichtige Erfahrungen für eine spätere Niederlassung sammeln kann. Gerade in der Praxis hoffe ich, viel von den Inhabern lernen zu können und so Stück für Stück in eine Selbstständigkeit hineinzuwachsen. Für mich macht dieser schrittweise Prozess die Entscheidung für eine Niederlassung einfacher, als von 0 auf 100 durchzustarten.

Erst einmal "schnuppern"

Ich glaube aber, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, welcher der richtige Weg ist. Es gibt heute vielfältige Modelle. Von vielen Kollegen nehme ich wahr, dass der Wunsch nach einer Anstellung für die ersten Berufsjahre nach dem Facharzt wächst.

Gerade wenn es darum geht, sich vielleicht im ländlichen Bereich niederzulassen, wollen einige erst einmal "schnuppern" und die Gegend kennenlernen, bevor sie sich binden. Immerhin gehen mit der eigenen Praxis auch langfristige Verpflichtungen einher.

Welche der zahlreichen Möglichkeiten von Anstellung, Niederlassung und Forschung die beste für einen ist, ist meines Erachtens Typsache. Ein Problem ist aber durchaus, dass die meisten die Forschung als Option nicht auf dem Schirm haben. Auch bei mir war es eigentlich erst die Doktorarbeit, die das Feuer für die Wissenschaft entzündet hat.

Klinische Arbeit steht im Zentrum

Oft hat ja auch die klinische Arbeit die Überhand in Studium und Weiterbildung. Ich sehe wissenschaftliches Arbeiten aber als eine bereichernde Ergänzung für die hausärztlich klinische Tätigkeit – und umgekehrt. Es ist durchaus mit der Aus- und Weiterbildung vereinbar.

Nur eines war für mich schon früh klar: dass ich in der Primärversorgung tätig sein möchte. Bereits nach den ersten Famulaturen in der Klinik habe ich gemerkt, dass die Zeit im Krankenhaus zwar lehrreich, aber nicht meine Zukunft ist. Der direkte und langjährige Kontakt mit den Patienten ist mir wichtig und die Arbeit als Hausarzt bereitet mir viel Freude. Hinzu kommt: Ich bin seit einem Jahr Vater. Mit dem Praxisalltag – ganz gleich, ob in Anstellung oder irgendwann einmal in der eigenen Praxis – lässt sich das besser vereinbaren als mit dem Klinikleben.

Matthias Michiels-Corsten

Alter: 33

Aktuelle Position: Facharzt für Allgemeinmedizin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeinmedizin der Uni Marburg

 

Video-Interview zur Weiterbildung:

Anstellung oder Niederlassung, Klinik oder Praxis? Diese Fragen beschäftigen auch Johannes Bogensperger (32), Arzt in Weiterbildung:

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