Ärzte Zeitung online, 10.02.2017
 

Abgeschottete Sektoren

Gemeinsam Bedarf planen – was bringt‘s?

Ambulante und stationäre Grenzen, verkrustete Strukturen: Wie können sie überwunden werden?

HAMBURG. Die Politik erwartet von den Kassenärztlichen Vereinigungen, dass sie dem Wunsch junger Ärzte nach Kooperation und Vernetzung entsprechen und die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sprach sich auf dem Versorgungsforschungstag in der Hansestadt auch für eine engere Abstimmung mit dem stationären Sektor aus.

"Wenn Kooperation und Vernetzung so wichtig sind, kann es nicht sein, dass Sektoren so abgeschottet sind, dass eine Zusammenarbeit erschwert wird", sagte die Senatorin. Befördert werden könnte die Kooperation nach ihrer Ansicht, indem schon im Studium die Fähigkeit von Medizinern zur Zusammenarbeit und zur Kommunikation geschult wird.

Koordinative Leistungen von Ärzten sollten honoriert werden – in beiden Sektoren in gleicher Höhe. Außerdem strebt sie eine übergreifende Planung an, um dem Wunsch nach mehr ambulanten Leistungen entsprechen zu können. "Wie soll man das Ambulantisierungspotenzial heben, wenn man keine gemeinsame Bedarfsplanung betreibt?", stellte sie in den Raum. Hierzu hat die KV in der Hansestadt ebenfalls Fragen – denn sie befürchtet wie berichtet, dass durch übergreifende Planung große, zum Teil geförderte Einrichtungen Vorteile gegenüber niedergelassenen Ärzten bekommen.

Für Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) steht fest, dass sich junge Ärzte nicht vorschreiben lassen werden, in welchen Strukturen sie arbeiten möchten. Deshalb seien insbesondere in Flächenländern flexible Konzepte nötig – "so gedacht und gemacht, dass sie attraktiv für Mediziner sind." Sie lobte die bislang geleistete Arbeit der ärztlichen Organisationen im Norden, die etwa mit dem bundesweit ersten kommunalen Ärztezentrum in Büsum oder dem gemeindeeigenen MVZ auf Pellworm neue Wege durch Förderung aufgezeigt hätten. Alheit betonte: "Die Einzelpraxis hat deshalb noch lange nicht ausgedient. Wo das passt, ist das weiterhin in Ordnung." (di)

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