Ärzte Zeitung online, 26.06.2017

Frankreich

Jeder vierte junge Arzt hat Suizidgedanken

Der Druck in Studium und Weiterbildung ist groß. Eine aktuelle Studie unter angehenden französischen Ärzten zeigt drastische Folgen.

Jeder vierte junge Arzt hat Suizidgedanken

Französische Medizinstudenten haben auffällig oft depressive Episoden. Doch warum?

© STUDIO GRAND OUEST / stock.adobe.com

PARIS. Jeder vierte Medizinstudent oder Arzt in Weiterbildung hat schon mindestens einmal daran gedacht, sein Leben durch die eigene Hand zu beenden. 738 von 22.000 Befragten gaben sogar an, bereits einen Suizidversuch unternommen zu haben.

Das sind die besorgniserregenden Ergebnisse einer Online-Befragung der französischen Vereinigungen der Medizinstudierenden sowie Assistenzärzte zur psychischen Gesundheit ihrer Mitglieder.

Überdurchschnittlich viele Depressionen?

Zwei Drittel der befragten Studenten und jungen Krankenhausärzte gaben dabei an, an Angststörungen zu leiden oder das Gefühl zu kennen. Mehr als jeder Vierte weist depressive Symptome auf, die durchschnittlich nur bei 10 Prozent der allgemeinen Bevölkerung auftreten.

Hintergrund der Befragung ist die Tatsache, dass seit Anfang 2017 in Frankreich fünf junge Assistentärzte Selbstmord begangen haben. Die Verbände wollten der Ursache dafür auf den Grund gehen.

Die Befragung zeigt: Die Hälfte der befragten Studenten und jungen Ärzte fühlt sich in ihren Klinikjahren oft allein gelassen, sie vermissen die Unterstützung ihrer Vorgesetzten bei Problemen mit Patienten und Klinikpersonal.

Leidensdruck durch Personalsituation

Junge Mediziner beklagen sich auch über das Missachten der gesetzlichen Pausen und Ruhezeit, die wegen Personalmangel oft nicht eingehalten werden können.

Die zwei Vereinigungen fordern daher stärkere Kontrollen dieser Regelungen, da Überforderung häufig zu Depressionen führe. Genau wie es für andere Krankenhausangestellte üblich ist, fordern Studenten und Assistentärzte, regelmäßig durch arbeitsmedizinische Dienste untersucht zu werden.

Wird die psychische Gesundheit der jungen Ärzte vernachlässigt, habe das auch Folgen im späteren Leben, warnen die Verbände: Laut ihren Angaben ist die Häufigkeit der Suizide in der Gesamtärzteschaft 2,3 mal höher als bei allen anderen Berufsgruppen. (ddb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »

Carvedilol für alte Diabetiker? Besser nicht!

Erhalten pflegebedürftige Diabetiker nach Herzinfarkt einen "diabetikerfreundlichen" Betablocker, sinkt zwar die Gefahr von Hyperglykämien. Ins Krankenhaus müssen sie trotzdem häufiger. mehr »
Serie: Wegweiser Weiterbildung