Ärzte Zeitung online, 26.09.2017
 

Contra Landarztmangel

Neues Ärztehaus lockt Nachwuchs an

Seit Kurzem hat das oberfränkische Effeltrich, was sich so manche Landgemeinde wünscht: ein Ärztehaus mit jungen Medizinern. Als Extra sind gleich noch viele andere Gesundheitsberufe vor Ort.

Von Christina Bauer

Neues Ärztehaus lockt Nachwuchs an

Dr. Gunther (4. v.l.) und Dr. Beate Reinhardt (5. v.l.) arbeiten mit ihrem Team im neuen Ärztehaus.

© Praxis Reinhardt

EFFELTRICH. Lösungen für den sich verschärfenden Mangel an Ärzten auf dem Land werden derzeit vielerorts händeringend gesucht. Effeltrich im oberfränkischen Landkreis Forchheim hat eine gefunden: Im Juni öffnete im 2600-Einwohner-Ort ein neues Ärztehaus seine Türen. Dort, im Norden Bayerns, bleiben Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zufolge allzu oft Arztsitze leer. Die Begeisterung war daher groß, erinnert sich das Ärzteehepaar Dr. Beate Reinhardt (Allgemeinärztin) und Dr. Gunther Reinhardt (hausärztlich tätiger Internist).

Die Reinhardts sind schon seit 2003 am Ort niedergelassen. Nach jahrelanger Klinikarbeit entschieden sie sich für eine Landpraxis. Wie Beate Reinhardt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" berichtet, ließ sich das gut mit der Familiengründung verknüpfen. Seitdem hat jeder der beiden einen Kassensitz. Seit 2013 ist Dr. Christian Ehrlicher als angestellter Allgemeinarzt mit dabei. Anfangs arbeiteten die Reinhardts noch lange in der Gemeinschaftspraxis ihres Vorgängers mit. Der ging in den Ruhestand, und die Umstände machten einen Praxisumzug notwendig.

Ein eigenes Notfallzimmer

Bürgermeisterin Kathrin Heimann war gern bereit, ein Bauvorhaben zu unterstützen. Die Gemeinde verkaufte ein geeignetes Grundstück an die regionale Raiffeisenbank. Diese wurde zum wichtigsten Sponsor und gab für den Bau insgesamt 1,8 Millionen Euro aus. "Sie haben das alles super organisiert", so Beate Reinhardt. "Das war eine Investition für das Dorf." Nach etwa eineinhalb Jahren Bautätigkeit ist das neue Gebäude in der Stadtmitte seit Juni fertig. Besonders erfreulich für die Ärzte: Sie konnten es vom Start an mitgestalten. Nun haben sie acht Behandlungsräume, wo alle gut parallel arbeiten können. Es gibt viel Platz, kurze und effiziente Wege sowie angenehme Sozialräume für die Mitarbeiter. Eine Besonderheit: Der Rettungsdienst hat ein eigenes Notfallzimmer mit separatem Zugang. Gibt es einen Notfall, können die Helfer den Patienten dort direkt abholen. Es entstehen keine Interferenzen mit dem übrigen Praxisbetrieb. Der Raum wurde schon reichlich genutzt, so Reinhardt, und der Rettungsdienst sei begeistert.

Die Gemeinschaftspraxis hat eine Auslastung von etwa 2000 bis 2500 Scheinen. Viele Patienten sind aus Effeltrich, aber auch aus den umliegenden Dörfern. Zehn MFA unterstützen die Ärzte, zwei davon sind VERAHs, zwei noch in der Ausbildung zur MFA. Bei diesem Erfolg soll es aber nicht bleiben. Die Reinhardts kennen die schwierige Versorgungslage im bayerischen Norden. Sie legen daher Wert darauf, im neuen Ärztehaus wie schon in den letzten Jahren viele junge Kollegen auszubilden. Beide haben eine Weiterbildungsgenehmigung, und derzeit arbeiten zwei Weiterbildungsassistentinnen in der Praxis mit.

Eine davon ist Dr. Carolin Föhrweiser. Sie ist seit April dabei und hat den Umzug miterlebt. Der 31-Jährigen gefällt, dass sie sich mit mehreren erfahrenen Ärzten austauschen kann. Entschiede sie sich langfristig für eine eigene Landarzt-Praxis, würde sie auch die gern gemeinsam mit Kollegen führen. "Mir ist der kollegiale Austausch sehr wichtig", so die junge Medizinerin, "und die Betreuung der Patienten ist durchgehend das ganze Jahr über gewährleistet." Die Effeltricher Praxis lotst auch reihenweise Studierende aufs Land. Da sie Lehrpraxis der Universität Erlangen ist, sind neben Blockpraktika und Famulaturen auch PJ möglich.

"Das würde ich gerne machen"

Benjamin Haugg, 31 Jahre alt, hat dort seit 2014 alle drei dieser Stationen absolviert. Derzeit ist er im PJ. An der Hausarzt-Arbeit spricht ihn vor allem der langfristige Patientenkontakt an. Dadurch erfahre ein Arzt viel mehr über die Menschen als nur ihre Krankengeschichte. "Das war einer der Gründe, warum ich gesagt habe, das würde ich gerne machen", resümiert Haugg. Auch er kann sich eine Land-Niederlassung gut vorstellen. Einige Erfolgsgeschichten kann Beate Reinhardt schon jetzt berichten. "Eine junge Kollegin war vier Jahre hier angestellte Ärztin und hat sich jetzt im Nachbardorf niedergelassen."

Die Effeltricher Patienten haben noch vom Ärztehaus noch mehr als die hausärztliche Versorgung vor der Tür. In der EInrichtung ist auch Kinderärztin Dr. Gabriela Kreller-Laugwitz mit dabei, die schon seit einigen Jahren in der Gemeinschaftspraxis tätig ist. Zusätzlich gibt es nun im neuen Gebäude Praxen für Physiotherapie, Logopädie und Pflege.

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