Ärzte Zeitung online, 04.10.2017
 

Geförderte Allgemeinmedizin

Kompetenzzentrum? Kammer Bremen wartet lieber ab

Vier ganztätige Veranstaltungen pro Jahr: Das neue Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin in Niedersachsen hat viele Pläne – aber nicht nur Fans. Die Ärztekammer Bremen steht dem Angebot kritisch gegenüber, nicht zuletzt, weil die Refinanzierung noch unklar sei.

Von Christian Beneker

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GÖTTINGEN / BREMEN. Im Herbst 2017 wird das Kompetenzzentrum Niedersachsen seine Arbeit aufnehmen. Es wird Begleitseminare für Ärzte in Weiterbildung (ÄiW) anbieten: jährlich vier ganztägige Veranstaltungen mit hilfreichen, wissenswerten und praktischen Inhalten für künftige Allgemeinmediziner. Das teilt die Universitätsmedizin Göttingen mit.

Für das neue Kompetenzzentrum haben sich die drei medizinischen Fakultäten des Landes in Oldenburg, Hannover und Göttingen mit der KV (KVN) und der Ärztekammer in Niedersachsen (ÄKN) sowie mit der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Die Ärztekammer Bremen ist nicht dabei.

"Ein Novum in der Weiterbildung"

"Eine koordinierte Weiterbildung mit Integration zahlreicher Zusatzangebote, die didaktisch und inhaltlich von den Lehrstühlen für Allgemeinmedizin gestaltet werden – das ist ein Novum in der ärztlichen Weiterbildung", sagt Professor Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin in Göttingen (UMG). Sie ist sicher, dass das Angebot die Attraktivität der Allgemeinmedizin steigern und zur Sicherung der Versorgung beitragen werde.

Die Universitätsmedizin Göttingen koordiniert das Projekt. Die Kurse sollen dezentral stattfinden, das heißt, an wechselnden Orten. "Niedersachsen ist ein großes Flächenland", so Susanne Heim von der UMG. "Da soll die Kursteilnahme nicht an zu langen An reisewegen scheitern." Zunächst sind Kurse in Göttingen, Hannover und Oldenburg geplant und ab 2018 dann auch in Braunschweig, Leer und Osnabrück.

Kammer bleibt reserviert

Die Einrichtung von universitär angebundenen Kompetenzzentren ist im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz festgelegt. Mit ihm hatte der Gesetzgeber zum 1. Januar 2017 die Möglichkeit geschaffen, dass bis zu fünf Prozent der Mittel für die Förderung der Weiterbildung gemäß § 75a SGB V für Aufbau und Unterhalt von Einrichtungen bereitgestellt werden, die die Qualität und Effizienz der Weiterbildung verbessern können.

Mit den Kompetenzzentren beteiligen sich nun auch die Universitäten an der Weiterbildung, die bisher in den Händen der Kammern lag. Für die Kammer in Niedersachsen offenbar kein Problem. "Die Kammer hat fast einstimmig, mit einer Enthaltung, für den Kooperationsvertrag gestimmt", sagt die Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vorsitzende der Lenkungsgruppe, Marion Charlotte Renneberg. Sie betont: "Ich sehe da keine Konkurrenz zu unseren Angeboten."

Die ÄK Bremen reagiert zurückhaltender. "Wir wollen abwarten, wie sich das Angebot entwickelt und was Niedersachsen auf die Beine stellt", sagt Dr. Heike Delbanco, Hauptgeschäftsführerin der ÄK Bremen, zur "Ärzte Zeitung". Wenn man sich beteilige, müsse man auch investieren, hieß es, und die Refinanzierung sei unklar.

Der reservierten Haltung der Bremer Kammer ungeachtet können sich auch Bremer Weiterbildungsassistenten ab dem 15. Oktober in die Angebote des neuen Kompetenzzentrums im

benachbarten Niedersachsen einschreiben. Die Webseite des neuen Kompetenzzentrums ist derweil noch im Aufbau.

Kompetenzzentrum? Kammer Bremen wartet lieber ab

Mehr für junge Ärzte

» "Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!" Das findet Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler: www.aerztezeitung.de/943472

» "Hausarzt in der Kaserne" – die "Ärzte Zeitung" hat mit Medizinern bei der Bundeswehr gesprochen: www.aerztezeitung.de/942655

Viele weitere Informationen rund um junge Ärzte in Weiterbildung gibt es auf

www.aerzte-zeitung.de/ jungeaerzte

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