Ärzte Zeitung online, 25.05.2018

Arzt und Karriere

Eigene Praxis? Option für jeden dritten Oberarzt

Haben Mediziner den Rang eines Oberarztes an einer Uniklinik erreicht, so streben sie häufig eine Unikarriere an, so eine Studie. Aber auch die eigene Praxis bleibt für viele ein Ziel.

Von Matthias Wallenfels

HANNOVER. Rund jeder dritte Oberarzt an einer Uniklinik in Deutschland findet die Option auf die Niederlassung eine interessante Alternative zu seiner gegenwärtigen Tätigkeit. Das geht aus einer Befragung der Personalberatungsagentur Rochus Mummert von 450 Oberärzten an 12 deutschen an die jeweilige medizinische Fakultät angegliederten Unikliniken nach ihren Präferenzen bei der Karriereplanung und Stellenauswahl hervor. Die Studie ist nicht repräsentativ, aber aussagekräftig.

Knapp 64 Prozent der Studienteilnehmer – und damit die Mehrheit – bezeichnen eine unbefristete universitäre Sektionsleitungsposition als attraktiv oder sehr attraktiv, annähernd gleich beliebt ist die Oberarztposition (63 Prozent). Die Chefarztposition außerhalb der Universität sehen knapp 52 Prozent als erstrebenswert an.

Im Ansehen folgt erst dann das universitäre Ordinariat, allerdings mit deutlich geringerem Wert: Knapp 39 Prozent der Befragten finden diese Positionen attraktiv oder sehr attraktiv. Nicht kurative Managementpositionen sehen nur 22 Prozent als attraktive Alternative. Am geringsten fällt die Präferenz für eine Juniorprofessur aus: Sie ist lediglich für rund elf Prozent der Oberärzte attraktiv oder sehr attraktiv.

Ordinariat nicht mehr primäres Ziel

"Die Mehrheit der Oberärzte an Universitätsklinika will gern weiter kurativ tätig sein und sieht auf diesem Feld ihre größten Kompetenzen", erläutert Dr. Henrik Räwer, Rochus Mummert-Partner und Studienleiter.

"Überraschend ist allerdings, dass das Ordinariat für die meisten nicht mehr das primäre Karriereziel ist. Bei besseren Arbeitsbedingungen können sich die meisten Ärzte eine Tätigkeit an einem Versorgungshaus vorstellen. Bei ihnen können Kliniken punkten, die geregelte Arbeitszeiten und Vertragssicherheit bieten", ergänzt Räwer.

Defizite in den Kliniken sind laut Berater bei der Betreuung von Ärzten und deren Vorbereitung auf die nächsten Karrierestufen auszumachen. So fühle sich nur rund ein Viertel der Befragten von ihrer Klinik auf die Chefarztposition gut oder sehr gut vorbereitet; mehr als 43 Prozent hingegen verteilten hier schlechte Noten.

Ähnlich fielen die Antworten bei der Frage nach der Vorbereitung auf eine universitäre Karriere aus: Rund 21 Prozent sind zufrieden, aber fast die Hälfte bescheinigt den Kliniken bei diesem Punkt eine schlechte Arbeit.

Unzufriedenheit als Weg aus der Klinik?

"Die Befragung hat eine latente Unzufriedenheit der Oberärzte mit der Mitarbeiterführung und der Karrierevorbereitung aufgedeckt. Kliniken sind daher gut beraten, ihren Oberärzten eine bessere Unterstützung auf dem Weg in Führungspositionen zu bieten", kommentiert Dr. Florian Liberatore, Privatdozent an der Universität Freiburg und wissenschaftlicher Leiter der Studie, die Ergebnisse.

Vor allem bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen sähen die Befragten größeren Nachholbedarf: Nur knapp 40 Prozent fühlen sich hier nach eigenen Angaben kompetent. Sehr viel besser beurteilt eine größere Mehrheit die eigene Führungskompetenz (fast 90 Prozent "kompetent" oder "sehr kompetent") und die Fähigkeit zur Prozessoptimierung (77 Prozent "kompetent" oder "sehr kompetent").

Die Kriterien, anhand derer sich die Oberärzte für eine bestimmte berufliche Herausforderung entscheiden, variieren nicht wesentlich zwischen den Geschlechtern, wie die Studie vermuten lässt. An erster Stelle steht ein hochwertiges medizinisches Leistungsspektrum. Auch der Mitarbeiterorientierung und der Gleichbehandlung von gesetzlich und privat versicherten Patienten messen die befragten Ärzte eine hohe Bedeutung bei.

Weit hinten steht für sie die Berücksichtigung christlicher Werte: Konfessionelle Krankenhäuser haben offenbar im Wettbewerb um die kompetentesten Köpfe in dieser Hinsicht keinen entscheidenden Arbeitgebervorteil.

Weiter wichtig: eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Als zweitwichtigsten persönlichen Faktor nennen Frauen die Wohnortnähe zum bisherigen Standort, für Männer ist ein hohes Gehalt besonders wichtig.

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