Ärzte Zeitung online, 08.01.2009

Falsche Misshandlungsdiagnose - Klinik muss Schmerzensgeld zahlen

MÜNCHEN (dpa). Nach einem Urteil des Landgerichts München 1 muss die Universitätsklinik der bayerischen Landeshauptstadt den Eltern einer kleinen Tochter wegen unrechtmäßigen Kindesentziehung je 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen, das Kind bekommt 10 000 Euro

Die Eltern erlebten einen wochenlangen Albtraum: Ihre kleine Tochter wurde ihnen nach einer falschen ärztlichen Diagnose wegen angeblicher Misshandlungen entzogen und in staatliche Obhut gegeben. Erst nach vier Wochen kam die Kleine zu ihren Eltern zurück.

Einer Mitarbeiterin des Münchner Jugendamts war in einem Kindergarten das Mädchen wegen eines blauen Auges aufgefallen. Ärzte der Universitätskinderklinik in München bestätigten den Verdacht, das "Veilchen" sei Folge einer Misshandlung. Die Tochter wurde deswegen ihren Eltern weggenommen mit der Folge, dass der verzweifelte Vater von insgesamt drei Kindern mit Selbstmord drohte und von der Polizei in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht wurde.

Ein Sachverständiger fand keinerlei Hinweis auf eine Kindesmisshandlung. Vielmehr passe das blaue Auge zur Darstellung der Eltern, ihre Tochter sei gegen eine Tür gerannt. Das mit diesem Gutachten begründete Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Az.: 9 O 20622/06

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