Ärzte Zeitung, 28.01.2009

Berlins Kliniken sollen von Konjunkturpaket profitieren

Gesundheitssenatorin will jeden zehnten Euro in Krankenhäuser stecken / In den kommenden Jahren droht ein Anstieg der Altersarmut

BERLIN (af). Zehn Prozent des Geldes, das aus dem zweiten Konjunkturpaket nach Berlin fließt, soll den Kliniken zugutekommen. Das kündigte die Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher beim Ersten Alterssymposion von Vivantes an.

Lompscher bekräftigte das Vorhaben, im Krankenhausplan 2010 die stationären, geriatrischen Kapazitäten Berlins um 300 Betten auf rund 1500 Betten aufzustocken. Die Gesamtzahl der Betten solle davon unberührt bleiben. Andere Fachgebiete müssten dafür Betten abgeben.

Ab 2013 rechne der Senat mit einem deutlichen Anstieg von Hochbetagten. Schon heute organisierten die Bezirke gerontopsychiatrische Arbeitskreise, um auf den wachsenden Beratungs- und Hilfebedarf reagieren zu können. Während in den kommenden Jahren die Alten noch zu den eher reichen Bürgern zählten, werde sich dies auf mittlere Sicht gesehen ändern. Der aufkommenden Altersarmut müssten die Kommunen Unterstützung zum Beispiel beim Aufbau neuer Wohnformen entgegensetzen.

Vivantes-Geschäftsführer Joachim Bovelet warnte in diesem Zusammenhang davor, gerontopsychiatrische Leistungen "in DRGs zu packen", weil den Betroffenen durch die damit einsetzende Schematisierung der Abläufe als erstes "das freundliche Wort" verloren gehe.

Berlin und Deutschland als Ganzes seien schlecht auf die Alterung der Gesellschaft vorbereitet, sagte die inzwischen 89-Jährige ehemalige Vorsitzende der Ethikkommission der Berliner Ärztekammer, Professorin Ruth Mattheis, bei einer Podiumsdiskussion auf dem Symposion. Die technische Entwicklung gehe an alten Menschen vorbei. Als Beispiel nannte sie die Fahrkartenautomaten der Berliner Verkehrsbetriebe und der Deutschen Bahn, die Senioren vor Rätsel stellten.

Kritik übte sie auch an den Herstellern von Medikamenten. Deren Verpackungen seien häufig mit so effektiven Kindersicherungen ausgestattet, dass auch ältere Menschen die Flaschen und Dosen schlecht öffnen könnten. Warum sich Menschen, die im Quartal 200 Tabletten eines Medikamentes brauchten, mit Zehner- und Zwanziger-Packungen herumschlagen müssten, erschließe sich ihr nicht, sagte Mattheis.

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