Ärzte Zeitung online, 02.03.2009
 

Daten von zehntausenden US-Patienten im Internet gefunden

HANOVER (ava). Bei Recherchen im Auftrag einer US-Behörde sind Zehntausende digitale Akten aus US-Krankenhäusern entdeckt worden. Dies berichtet "heise online" unter Berufung auf einen amerikanischen Dienst. Die Akten enthielten detaillierte persönliche Angaben über physische und mentale Krankheitsdiagnosen.

Als Ursache für die prekären Datenabflüsse hat der nachforschende Wissenschaftler den Umstand ausgemacht, dass viele Angestellte Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) wie Limewire nutzten. Dies sei in öffentlicher Einrichtungen nicht erlaubt. Die Voreinstellungen dieser Programme stellen alle lokalen Dateien zum Tausch frei. Mit den Informationen aus den digitalen Akten könnte man nicht nur die betroffenen Patienten bloßstellen, heißt es in der Meldung, sondern auch medizinische Betrügereien begehen.

Der Leiter des Center for Digital Strategies am Dartmouth College in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire, Eric Johnson, hat für den größten Datenverlust ein nicht näher bezeichnetes US-Hospital ausgemacht, dem eine gesamte Datenbank abhanden gekommen sein soll. Darin allein seien Vermerke über 20 000 Patienten einschließlich Namen, Krankenversicherungsnummern, Versicherungspartnern und Codeangaben über Krankengeschichten enthalten gewesen. Aus den Dateien sei etwa hervorgegangen, dass vier der Betroffenen HIV positiv seien. Über 200 weiteren seien Geistesstörungen oder Depressionen, 326 Krebserkrankungen diagnostiziert worden.

Tabellen mit Daten über AIDS- und Geisteskranke

Weitere Einzelheiten hat Johnson in einer PDF-Datei über "Daten-Hämorrhoiden" im Gesundheitssektor veröffentlicht. So entdeckte der Wissenschaftler etwa auch Datentabellen aus einem auf die Behandlung von Aids-Kranken spezialisierten Hospital mit personenbezogenen Informationen über 242 Patienten, ein 1718 Seiten umfassendes Dokument aus einem medizinischen Testlabor mit Namen von Probanden sowie psychiatrische Einschätzungen aus einer Klinik für Geisteskranke. Teilweise habe er die Dateien auf Rechnern abgelegt gefunden, die er Auskunfteien zuschrieb, was nahelege, dass mit den Informationen bereits kommerziell gehandelt wird.

Als Ursache für die prekären Datenabflüsse hat Johnson den Umstand ausgemacht, dass viele Angestellte öffentlicher Einrichtungen unerlaubt P2P-Software auf ihren Rechnern installieren und dann gemäß den Voreinstellungen mancher Programme alle lokalen Dateien zum Tausch freigeben würden. Für die Suche nach kostenlosen Songs oder Filmen müssten sie, so "heise online" einen hohen Preis zahlen.

US-Regierungsstellen haben bereits wiederholt Datenpannen erlitten, für die Filesharing verantwortlich gemacht wird. Außer dem Gesundheitswesen war unter anderem auch schon das Militär betroffen. US-Präsident Barack Obama will mit seinem Konjunkturprogramm auch die Auflagen für die IT-Sicherheit verbessern. Beobachter sind aber skeptisch, ob diese Bemühungen Erfolg haben und prognostizieren weitere große Datenverluste.

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