Ärzte Zeitung online, 12.06.2009

In deutschen Kliniken wird offenbar bei Behandlungen gespart

TÜBINGEN (gwa). In Deutschland werden in Kliniken immer wieder eigentlich nützliche Maßnahmen aus Kostengründen nicht gemacht. Das ergab eine bundesweite Studie unter 1137 Klinikärzten aus der Intensivmedizin und Kardiologie.

In deutschen Kliniken wird offenbar bei Behandlungen gespart

Foto: Klaro

Für die Studie wurden Fragebögen per Zufallsprinzip an die Klinikärzte verschickt. Die Adressen stammten aus dem deutschen Krankenhausregister.

Ergebnis: Über drei Viertel der antwortenden Ärzte (77 Prozent) gaben an, dass sie mindestens einmal aus Kostengründen eine für den Patienten nützliche Maßnahme nicht gemacht oder durch eine preiswertere, aber weniger effektive ersetzt hätten. Und 13 Prozent der Studienteilnehmer berichteten, mehr als einmal pro Woche nützliche Leistungen aus Kostengründen vorenthalten zu müssen.

Viele Kliniker leiden unter solchen Kostenzwängen. Sie gaben an, dass ihre Zufriedenheit mit der Arbeit und ihr Verhältnis zu den Patienten durch die Geldknappheit belastet würden. Die antwortenden Ärtze sehen auch praktisch keine Alternative zu Rationierungen mehr.

Über die Hälfte sagt, dass mehr Geld bereit gestellt werden müsse. Das könne durch höhere Krankenkassenbeiträge geschehen. Oder die Patienten müssten selbst einen höheren Eigenbetrag leisten.

Die Studie fand unter Leitung des Tübinger Medizinethiker Professor Georg Marckmann und Professor Daniel Strech von der Medizinischen Hochschule Hannover statt. Die Studie ist ein Projekt des Interdisziplinären Forschungsverbunds "Allokation", der vom Bundesministerium der Justiz gefördert wird. An dem Forschungsverbund sind auch die Universität Duisburg-Essen und die Universität Bochum beteiligt.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministerium sagte laut dpa: „Entscheidend sind medizinisch notwendige Behandlungen.“ Würden medizinisch notwendige Leistungen nicht erbracht, müssten die Aufsichtsbehörden eingeschaltet werden.

Abstract der Studie "Ausmaß und Auswirkungen von Rationierung in deutschen Krankenhäusern - Ärztliche Einschätzungen aus einer repräsentativen Umfrage

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

38 Prozent mehr psychische Diagnosen bei jungen Erwachsenen

Immer mehr junge Erwachsene leiden unter psychischen Erkrankungen. Allein die Diagnose Depressionen hat um 76 Prozent seit 2005 zugenommen, so der Arztreport 2018. mehr »

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »