Ärzte Zeitung, 31.08.2009

"Ein unfassbarer Skandal"

Hospiz-Stiftung kritisiert Zuweiserpauschalen

zur Großdarstellung klicken

Foto: Natalia Demidchick ©www.fotolia.de

BERLIN (dpa/eb). Immer mehr niedergelassene Ärzte nehmen nach Einschätzung von Patientenvertretern und Medizinern Geld für die Einweisung ihrer Patienten in Krankenhäuser. "Dass niedergelassene Ärzte von Krankenhäusern Prämien für die Einweisung von Patienten erhalten, ist ein unfassbarer Skandal", kritisierte der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, am Montag in Berlin diese Praxis.

"Das sind nicht mehr nur Einzelfälle wie vor zwei oder drei Jahren", sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag). Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hatte auf die Probleme der Zuweiserpauschalen aufmerksam gemacht (wir berichteten). Vor allem in Ballungsräumen sei die Konkurrenz unter den Kliniken groß, so die DGU. Die Häuser versuchten zunehmend, Ärzte für Patienten mit bestimmten Diagnosen zu bezahlen.

Krankenhäuser ließen sich die Einweisung eines Patienten, der eine neue Hüfte bekommt, bis zu 1000 Euro kosten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Krankenkassen. Die umstrittene Praxis gehe quer durch alle Fächer. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, Geld für eine Einweisung zu nehmen, sei "total verboten". Doch die Medizin sei in hohem Maß kommerzialisiert. "Da halten die Ehrenkodexe nicht mehr."
Brysch betonte: "Die Opfer solcher Machenschaften sind in erster Linie die Schwerstkranken und Sterbenden." In ihren letzten Lebensmonaten würden sie im Schnitt fünf Mal zwischen Pflegeheim und Krankenhaus hin und her überwiesen. "Jetzt kommt heraus, wie sehr sich das für die niedergelassenen Ärzte lohnt", kritisierte Brysch.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte räumen mehrere Kanäle zur Bereicherung ein
Montgomery nimmt Ärzteschaft in Schutz
KBV will hart gegen Prämien vorgehen
"Ein unfassbarer Skandal"
Zusammenarbeit in der rechtlichen Grauzone: Im Zweifel haben die Richter das letzte Wort
Honorare an Zuweiser - was ist erlaubt, was nicht?
Lesen Sie dazu auch die Kommentare:
Kein gutes Bild in der Öffentlichkeit
Verlogene Debatte um Zuweiser

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Parodontitis als Risikofaktor für Krebs?

Ist eine Zahnbettentzündung ein Risikofaktor für bestimmte Krebsarten? Innerhalb einer großen Gruppe Frauen in der Menopause haben Forscher deutliche Zusammenhänge gefunden. mehr »

Kinder suchtkranker Eltern brauchen mehr Beachtung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, fordert eine bessere Versorgung und Betreuung der Kinder von Suchtkranken. Kinder von Suchtkranken sind diesmal Schwerpunkt des Drogenberichts. mehr »

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert. mehr »