Ärzte Zeitung online, 03.02.2010

Dachverband: Ungerechtfertigte Vergabe des Titels "Universitätsklinikum"

BERLIN (mn). Der Dachverband Deutsche Hochschulmedizin warnt vor der ungerechtfertigten Vergabe des Titels Universitätsklinikum. Dadurch könnte die Hochschulmedizin in Deutschland an Qualität und Ansehen verlieren. Der Dachverband hat außerdem Kriterien erstellt, die von einem Universitätsklinikum erfüllt werden müssten.

Der Titel Uniklinikum stelle hohe Anforderungen an das Spektrum und die Qualität in Forschung und Lehre, so Professor J. Rüdiger Siewert, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands (VDU), der mit dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) dem Dachverband Deutsche Hochschulmedizin angehört.

Der Verband kritisiert, dass es seit der Föderalismusreform I keine verbindlichen Regelungen mehr für die Definition einer Uniklinik gibt. Die Anerkennung als Uniklinikum liegt in dem Ermessen der Wissenschaftsministerien.

So hat das Innovationsministerium in Nordrhein-Westfalen dem Antrag der privaten Universität Witten/Herdecke zugestimmt und dem HELIOS Klinikum in Wuppertal die Bezeichnung "Klinikum der Privaten Universität Witten/Herdecke" verliehen.

Es laufen zurzeit weitere Anträge Kliniken oder Klinikverbünde in Unikliniken umzuwandeln, heißt es beim Dachverband. So versuchen beispielsweise drei Oldenburger Kliniken, durch einen Zusammenschluss, ein Universitätsklinikum Oldenburg zu etablieren.

Die Kliniken würden zwar eine gute Krankenversorgung bieten und als akademische Lehrkrankenhäuser eine wichtige Rolle spielen, in der klinischen Forschung seien sie aber noch nie nennenswert in Erscheinung getreten, so Siewert. Es reiche nicht aus über einzelne hervorragend qualifizierte Fachabteilungen zu verfügen, da das Markenzeichen einer Uniklinik die Abdeckung sämtliche Fächer sei.

VDU, MFT und ihr gemeinsamer Dachverband haben deshalb Kriterien erstellt, die von einer Uniklinik zu erfüllen sind. Diese sind etwa:

  • Eigenständige staatliche Finanzierung von Forschung und Lehre.
  • Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät werden gemeinsam oder in enger Kooperation geleitet.
  • Pro Jahr werden mindestens 150 Medizinstudenten ausgebildet.
  • Mindestens 60 Professoren sind -ausschließlich oder zusätzlich zur Krankenversorgung - in Forschung und Lehre tätig.
  • Die Klinikdirektoren sind gleichzeitig verantwortlich für die Forschung und Lehre in ihrem Fach.
  • Universitätsklinikum und Fakultät sind dauerhaft erfolgreich bei der Einwerbung von Forschungsgeldern und publizieren hochrangig.
  • VUD und Dachverband haben schon im Januar 2010 in einem Brief an den Wissenschaftsminister Nordrhein-Westfalen, Professor Andreas Pinkwart, darauf hingewiesen, dass die nicht gerechtfertigte Vergabe des Titels "Universitätsklinikum" zu einer Desorientierung der Öffentlichkeit führen könnte. Die Hochschulmedizin würde sich dann durch Quantität anstatt durch Qualität auszeichnen.

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