Ärzte Zeitung, 03.03.2010

Hannover will in der Kinderchirurgie landesweite Akzente setzen

Die Medizinische Hochschule Hannover will mit einem neu gegründeten Zentrum einen Magneten für die besten Kinderchirurgen schaffen.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover haben durch eine besondere Kooperation das Zentrum Kinderchirurgie Hannover ins Leben gerufen. Damit sei eines der größten kinderchirurgischen Zentren Europas entstanden, hieß es.

Das Zentrum bringt es gemeinsam mit 15 Ober- und Chefärzten, von insgesamt rund 30 im Zentrum, auf jährlich 5000 Operationen, so Zentrumsleiter Professor Benno Ure zur "Ärzte Zeitung". Damit dürfte die Kooperation Patienten aus dem gesamten nordwestdeutschen Raum anziehen. "Unsere nächste wirkliche Konkurrenz ist in Berlin", so Ure.

Mit dem neuen Zentrum könne man eine umfassende Versorgung bieten und attraktiv für die besten Kinderchirurgen werden. Das neue Zentrum könne durch seine Größe "die Exzellenz in vielen Fachgebieten steigern", wie es hieß.

Nach dem Aus für das gemeinsam geplante Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin auf dem Gelände der MHH - aber unter Führung des Kinderkrankenhauses auf der Bult - setzen die beiden Häuser mit dem Zentrum nun neu an. Die beiden Standorte bleiben erhalten und arbeiten je mit einer Standortleitung. Neue Leiterin der Kinderchirurgie/-urologie am Standort Bult wurde Dr. Barbara Ludwikowski. Die Kinderchirurgie in der MHH leitet Professor Claus Petersen. "Diese standort- und trägerübergreifende Zusammenarbeit ist wegweisend und stärkt die Kinderchirurgie im Raum Hannover und in Niedersachsen", so Dr. Thomas Beushausen, Vorstand der Stiftung Hannoversche Kinderheilanstalt, die Trägerin des Kinderkrankenhauses auf der Bult ist.

Die Op-Organisation indessen läuft zentral, erklärt Ure. Dadurch soll die Kräfte und Geld zehrende Konkurrenz aus Doppelanschaffungen in den Op-Sälen der beiden Einrichtungen aufgelöst werden, hieß es. "Die Schwerpunkte beider Kliniken ergänzen sich perfekt", meint Ure. Die meisten komplizierten Op und solche der Supramaximalversorgung werden in der MHH vorgenommen, wenige komplizierte Op der Kinder im Kinderkrankenhaus auf der Bult.

Für die Kinder soll es keinen Unterschied machen, wo sie operiert werden. "Sie profitieren an beiden Standorten von modernen Behandlungskonzepten wie der minimal-invasiven Chirurgie und Fast-Track-Op", sagt Ure. Die Abrechnung der Op läuft allerdings getrennt. "Eine Uni-Klinik und eine Stiftung können nicht gemeinsam abrechnen", erklärt Ure. Diese Methode funktioniert aber nur, weil die Operationen sich lohnen. "Die Kinderchirurgie ist ökonomisch abbildbar."

Auch auf längere Frist würden dem Zentrum die Kinder als Patienten nicht ausgehen, hieß es, auch wenn die Zahl der Geburten zurück geht - und Ure möchte die Arbeitsweise in Hannover am liebsten auf ganz Niedersachsen ausdehnen, "damit wir die teure Konkurrenzsituation auch in der Fläche in den Griff bekommen."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »