Ärzte Zeitung, 27.08.2010
 

Blutkonserve vertauscht -  Patient stirbt in Uniklinik

An der Uniklinik Marburg ermitteln Staatsanwälte wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Blutkonserve vertauscht -  Patient stirbt in Uniklinik

Eine vertauschte Blutkonserve wurde einem Patienten in Marburg zum Verhängnis.

© PhotoDisc

MARBURG (coo). Nachdem eine Blutkonserve vertauscht wurde, ist ein 75-jähriger Patient des Marburger Universitätsklinikums nach einer schweren Operation am vergangenen Dienstag gestorben. Die Marburger Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion in der Gerichtsmedizin angeordnet. Bluttransfusionsmittel und Krankenunterlagen wurden beschlagnahmt. "Wir recherchieren, wie das passieren konnte", erklärte Sprecher Frank Steibli. Das Klinikum habe von sich aus Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft informiert: "Die Mitarbeiter sind total schockiert", sagte Steibli. Die Verwechslung erklärt er mit "individuellem menschlichem Versagen".

Der 75-Jährige war wegen Schmerzen im Bauchraum in die Klinik gekommen, berichtet der Marburger Rechtsanwalt Hans-Berndt Ziegler, der die Angehörigen des Patienten vertritt. Dort wurde er gleich auf die Intensivstation verlegt, weil ein gefährlicher Defekt an einer künstlichen Gefäßstütze der Hauptschlagader festgestellt wurde. Während einer siebenstündigen Notoperation, die komplikationslos verlaufen sein soll, wurde ihm ein Bypass gelegt. Um den Blutverlust auszugleichen, habe er Bluttransfusionsmittel erhalten. Doch dabei soll er Blut der Gruppe A anstelle der erforderlichen Blutgruppe Null des Patienten bekommen haben, berichtet Ziegler.

Einen solchen Vorfall könne man überleben, erklärte Steibli. Es seien auch sofort Gegenmaßnahmen ergriffen worden. Doch wegen seiner Vorerkrankungen hätten die Ärzte den 75-Jährigen nicht am Leben halten können. "Unabhängig vom Ergebnis unserer Überprüfung haben wir den Angehörigen unser tiefes Mitgefühl und Bedauern ausgesprochen", sagte der Kliniksprecher.Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wird möglicherweise ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Das hängt vom Obduktionsergebnis ab, das voraussichtlich am Dienstag vorliegen wird.

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