Ärzte Zeitung, 16.09.2010
 

Zukunftsbranche Gesundheit

"Stiftung Gesundheitstest" - ein Weg zu mehr Transparenz

Wettbewerb und Transparenz sind zwei wesentliche Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt. Das stimmt auch für die Gesundheitswirtschaft.

Von Uwe K. Preusker

Leistungs- und Qualitätstransparenz sind die zentralen Stellschrauben für die Weiterentwicklung unseres Gesundheitssystems. Diese Auffassung hat jetzt Professor Heinz Lohmann auf dem Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg vertreten. Eine kluge Gesundheitspolitik, so Lohmann, befördere deshalb statt der Preis- die Qualitätstransparenz, weil das die Patienten wirklich interessiere und kein Akteur sich dem offen entziehen könne.

Sein zentraler Vorschlag, den er als Teil eines Thesenpapiers zum Abschluss des diesjährigen Gesundheitswirtschaftskongresses vorlegte, ist die Umsetzung der Idee, analog zur Stiftung Warentest in naher Zukunft eine "Stiftung Gesundheitstest" zu errichten. Die Realisierung der Idee einer solchen Stiftung müsse deshalb ganz oben auf der Agenda der nächsten Gesundheitsreform stehen. Im Ergebnis würde eine solche "Stiftung Gesundheitstest" eine Entwicklung auslösen, bei der durch bessere Leistungs- und Qualitätstransparenz tatsächlich der Patient in den Mittelpunkt der Gesundheitsbranche rücken würde. Die Voraussetzungen sind durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit des Internets heute besser als je zuvor.

Wie ist die Situation heute? Alle bisherigen Schritte des Gesetzgebers zur Schaffung von mehr Transparenz in Sachen Gesundheitsdienstleistungen und ihrer Qualität setzen nahezu ausschließlich bei Verpflichtungen der Leistungserbringer zu Qualitätsmanagement und Qualitätsberichten an. Alle Leistungserbringer müssen in ihren Einrichtungen ein Qualitätsmanagement einrichten, und Krankenhäuser müssen seit einigen Jahren Qualitätsberichte im Internet veröffentlichen und den Krankenkassen zur Verfügung stellen. Diese Qualitätsberichte sind jedoch immer noch so kryptisch, dass der normale Patient damit kaum etwas anfangen kann, und auch niedergelassene Ärzte, von denen ihre Patienten einen guten Rat in Sachen Klinik erwarten, kommen kaum mit den dargestellten Ergebnissen zurecht.

Angesichts dieser Ausgangslage hat die Idee einer "Stiftung Gesundheitstest" einen nicht zu unterschätzenden Charme: Unabhängige, an den Bedürfnissen der Patienten und ihrer Angehörigen ausgerichtete Tests und Überprüfungen von Gesundheitsleistungen und -produkten würden aller Voraussicht nach mehr Informationen versprechen als die bisherigen, eher bürokratisch anmutenden Aktivitäten in Sachen Qualitätstransparenz. Gleichzeitig wäre eine solche Stiftung der Unabhängigkeit gegenüber allen Akteuren im Gesundheitswesen und der Politik verpflichtet.

Bleibt die Frage: Wer ergreift die Initiative? Soll es die Bundesregierung sein wie 1964 bei der Gründung der Stiftung Warentest? Oder könnten es auch die Organisationen der Selbstverwaltung sein, die hier im Interesse von mehr Transparenz aktiv werden? Oder sollte es - wie beim IQWiG - einen Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums an den Gemeinsamen Bundesausschuss geben? Wie auch immer - wichtig ist, dass gehandelt wird!

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