Ärzte Zeitung online, 03.01.2011

Spahn bekommt starken Gegenwind von Krankenhausgesellschaft im Nordosten

SCHWERIN (di). Die Krankenhäuser im Nordosten betrachten die Forderungen des CDU-Gesundheitspolitikers Jens Spahn nach Zweibett-Zimmern in allen deutschen Kliniken (wir berichteten) als "Wählerfang-Parole".

"In der Gesundheitsversorgung kommen ernstere Probleme auf die Patienten zu, als die Frage, ob zwei oder drei Personen in einem Zimmer liegen", sagte der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (KGMV), Wolfgang Gagzow. Er verwies auf dringendere Sorgen für die Kliniken, als Beispiele nannte er Fachkräftemangel, das unterschiedliche Preisniveau in den Bundesländern und Finanzierungslücken.

Außerdem benötige man Fortschritte in der Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Kliniken, um die wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. "Darum sollte sich ein Gesundheitspolitiker kümmern, wenn er über die nächste Reform nachdenkt", forderte Gagzow.

Er hält Spahns Forderung für ein "verschleiertes, weiteres Einnahmenkürzungsmodell, da von Anfang an klar ist, dass seine Forderung finanziell nicht umsetzbar ist". Sie sei als "Auftakt für eine weitere an den Haaren herbeigezogene Budgetkürzung zu Lasten der Patienten und Mitarbeiter zu enttarnen."

Zweibett-Zimmer sind in vielen Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern längst Realität. Bei zahlreichen Neubauten gehört dies zum Standard.

[03.01.2011, 18:16:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Jens Spahn mit "Wählerfang-Parole" auf Wa(h)lfang?
Wenn der Münsterländer Bundestagsabgeordnete und selbsternannte CDU Gesundheitsexperte Jens Spahn fischen geht, kann man das auch "phishing" nennen. Und das kommt in 'MecPom' gar nicht gut an. Die dortige Krankenhausgesellschaft hat nämlich auch den Rest seines Interviews in der Süddeutschen Zeitung von Mo, 27.12.2010, gelesen:

Da war von "Lieferscheinprinzip" die Rede, mit der Patienten (und Politiker) die Kontrolle über eh' budgetierte, rabattierte und vom RLV verschluckte Leistungen bekämen. Der Abbau von Wartezeiten auf Facharzttermine insbesondere im ländlichen Raum sollte locker o h n e Verbesserung des dortigen Haus- und Fachärztemangels von Statten gehen. Und ein "Keimregister" sollte nosokomialen Infektionen begegnen,o h n e
Planstellen und Kompetenz für Hygienefachkräfte zu schaffen.

Dabei ist es doch banal wie simpel, aus Vier-Bett-Zimmern Zwei-Bett-Zimmer zu machen: Einfach 2 Patienten in 1 Bett legen, fertig!
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